Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379708
17-1 
Neun 
lter 
Abschnitt. 
Auch ein Deutscher, den wir lange in Rom haben 
arbeiten und wirken sehen, sammelte damals die Früchte 
seines Aufenthalts, aber weit im Norden, von dem er 
sehnsüchtig; nach der ewigen Stadt zurückblickte; es war 
Fernow. Zu seinem Unglück hatte der ganz in Rom 
festtgewurzelte Mann einem plötzlichen Heimwehgefiilil 
nachgegeben, obgleich er durch die Heirat mit einer 
Italienerin, die nie (äledanken über die nächste Umgebung; 
hinaus gerichtet hatte, sich fast unablöslich an den Süden 
gebunden hatte. Auch Zoega, der gleichfalls mit einer 
Römerin vermählt war, war einmal einer solchen Stinnnun g 
unterlegen; aber im letzten Augenblick hatte sein guter 
(äenius ihn noch zurückgehalten, zur grossesi Enttäuschung 
seiner dänischen Freunde. I7ernoxi' gelangte leider nicht 
zu derselben glücklichen Besinnung; nachdem er in Rom 
noch ein Jahr lang den ihm hoch erfreulichen Verkehr 
im Humboldtschen Hause genossen hatte, brach er 1803 
nach Deutschland auf, um zuerst in Jena, dann in Weimar 
sich niederzulassen. Die Herzogin Amalia. wie auch 
Goethe nahmen ihn als einen unmittelbaren Boten aus 
dem unvergessenen Rom, mit gi-osseni Entgegenkommen 
auf, und erleichterten nach llllöglichkeit seine auch mate- 
riell schwierige Existenz. Aber Fernow gelangte trotz 
allem nicht mehr zu beiriedigendem Dasein in Deutsch- 
land. Kaum angelangt überüel ihn wie YVinckelmann 
auf seiner Reise das unstillbare Verlangen nach dem 
Süden; dazu kam eine bei ihm wie bei seiner Frau sich 
schnell entwickelnde Kränklichkeit, und schon im Jahre 
1808 wurden beide Gatten von der Schwindsucht hinge- 
rafft; Fernow war erst fünfundvierzig (fahre alt. In- 
zwischen waren seine "Römischen Studien" in drei Banden 
erschienen. Klar wird aus ihnen ersichtlich, wie 
viel der Verfasser noch in den letzten {Fahren (lurch den 
Umgang mit Goethe für seine Kunsteinsicht gewonnen 
hatte. Zu der philosophischen Betrachtung; die ihn Kant 
gelehrt, und den technischen Kenntnissen, die ihm der 
Umgang; mit den Künstlern gegeben hatte, war eine feine 
limpiintltlng' für das eigentümlich Gßlliitiö des künstle-
        

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