Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379586
162 
Neunter 
Abschnitt. 
Wer so in den 'l'rü1nmern zu lesen und aus ihnen 
die hier gleichsam zu Stein gewordenen Ideen der Welt- 
geschichte zu befreien wusste, den musste der elende 
Zustand der Gegenwart gleichgiltig' lassen. Wir linden 
nicht. dass Humboldt durch das traurige Loos von Stadt 
und Land, welches manche andere Besucher damals so 
tief erschütterte, in seiner Versenkung in die Grüsse Roms 
gestört worden Ware. Ja er bekannte sogar: „Nur wenn 
in Rom eine so göttliche Anarchie und um Rom eine so 
himmlische Wüstenei ist, bleibt für die Schatten Platz. 
deren einer mehr Werth ist, als dies ganze Geschlecht". 4') 
Darin hätte Goethe vielleicht mit ihm übereinstimmen 
können; aber trotzdem war seine Art, Rom aufzufassen 
von der Humboldts so verschieden wie seine Xaturbe- 
geisterung von Humboldts historischem Sinn. Er hatte 
Rom und seine Umgebung mit Naivetät betrachtet, als 
eine Statte unerschöpflichen Reichtums. trotz aller 
menschlichen Vernachlässigung"; ll-Iumboltlt sah in ihm 
ein ungeheures Trümmerfeld. Goethe war mit quellender, 
überschwellender Freude erfüllt worden, Humboldt da- 
gegen empfand. von Anfang an die „heroisch-elegische 
Stimmung", welche Goethe erst unter dem Schmerz des 
Abschieds überkam. Und so fand sich der Dichter in 
Rom zum frischesten Schaffen angeregt und belebt. um 
den Grossen nachzueifern, deren Werke auch im Kleriall 
noch gross geblieben seien; der Denker und Forscher 
fühlte angjesiclits des gewaltigen Eindrucks der Yergang- 
lichkeit menschliches Arbeiten und Schalten als wertlos; 
kein grosseres "Werk gelangte in Rom zur Austülir-ungj. 
ja auch nur zu bestimmtem Entivurf; wie in einen 
traumerischen Schlummer des Genusses. selbst genuss- 
vollen Schmerzes versenkte ihn die ewige Stadt. 
Aber nur für sein persönlichstes inneres Leben gilt 
das; seine Rührigkeit nach Aussen, in Beziehung zu den 
Menschen seiner [Tmgtibungy litt nicht darunter; Yer- 
standnis und Förderung fanden sie bei ihm von Jahr 
zu Jahr in immer reicherem Mass. Was die Künstler au- 
geht, so waren es besonders drei, die er hochschatzte und
        

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