Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379500
154 
Achter 
Abschnitt. 
Eine merkwürdige TFatsache aber ist es, dass die beiden 
bedeutendsten Künstler der Zeit. der Bildhauer wie der 
Maler, aus dem fernen nordischen Meeresreiche stammtenß") 
Als ein Siebenundzivanzigrxr, aber noch völlig" un- 
entwickelt in seinem künstlerischen Iiönuen wie nnfertigg 
in seiner Bildung, war der dänische Bildhauer 1797 nach 
Rom gekommen. An seinen Landsmann Zoega gewiesen. 
war er von diesem freundlich aufgenommen worden, hatte 
aber bald durch seine mangelhafte ilbrbereitung; dessen 
unwilliges Staunen erregt. Es hätte keinen Sinn. schrieb 
der leicht missmutig gestimmte (Slelehrte, so unwissende 
Leute nach Rom zu schicken. Nun  'l'hor'ivaldsen bewies 
das Gegenteil. Freilich arbeitete er in den ersten Jahren 
fast nichts eigenes, sondern versenkte sich nur in das. 
was Rom ihm oifenbarte. Xicht mit dem Ftirschen des 
Gelehrten, sondern mit dem Auge des Iiünstlers (lurch- 
ilrangg er die Werke des Altertums wie die giossen 
Schöpfungen der Neuzeit. Auch (larstens. den er noch 
persönlich kennen lernen durfte, wurde in seinen Zeich- 
nungen aufls genauste studirt. Diesestille receptive 
Arbeit des Künstlers aber, die nach Aussen keine Früchte 
trug, konnte von der Aussenwelt natürlich nicht g'eivilrdigt 
werden. Die llleinung, dass lliorivziltlsen ganz begabt. 
aber t.rä.g' und indolent sei, kam in den römischen Kunst- 
kreisen auf und übertrug sich auch nach Kopenhagen. 
Er hatte freilich schon 1798 die lürstlinge seiner Arbeit, 
Bacchus und Ariadne, nach der Heimat geschickt. Dann 
aber blieben mehrere Jahre die Sendungen aus, und da. 
die dänische Akademie a.uch in der traurigen Zerrüttung 
der römischen Verhältnisse, welche Thorwziltlsen seinem 
(Ätlnnei- Abilgaard schilderte, keinen lßlntschultlignngs- 
grund für seine Untätigkeit iinden konnte, so wurde es 
sehr fraglich, 0b überhaupt das Stipendium ihm noch 
länger bewilligt werden solle. Und doch lagen die Kler- 
haltnisse so, dass als {Phorivaldseu endlich 1801 einen 
grösseren Entwurf. den siegreichen „Jas0nt' im 'l'hon- 
modell vollendet hatte, er nicht die mindeste Aussicht 
hatte, ihn in hlarmor ausführen zu können, ja dass er
        

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