Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379456
Die 
Zeit 
der 
Ymwälzuu gen 
1798- 
149 
nung war. Endlich hielt im Juli des Jahres 1800 der 
neue Papst, Pius Vll, aus dem Hause Chiaramonti, der 
in Venedig unter österreichischem Schutz gewählt worden 
war, seinen Einzug, und man hoffte von diesem milden 
und würdigen Kirchenfiirsten Ruhe und Gedeihen für 
das unglückliche Rom. Aber einerseits war Pius, wenn 
auch von den besten Absichten beseelt, doch nicht ener- 
gisch genug, um die Rachsucht und Habgier der ihn um- 
gebenden (Tfalnarilla im Zaum zu halten, andererseits war 
das ElCIRl, welches die letzten drei Jahre herirorgebracht 
hatten, so gross, dass es nicht schnell gehoben werden 
konnte. Auch war der tüchtige (lardinal (lonsalxri, 
welcher Staatssekretär wurde und das Konkordat 
mit Fmiiki-eirzli avbschloss, mehr darauf bedacht das aussere 
politische Ansehen der Kurie wieder zu heben und zu 
diesem Zweck fiskalisch geschickt und streng zu operiren, 
als das Elend der Bevölkerung durch eine humane und 
fürsorgliche Regierungsweise zu mildern. S0 steigerte 
sich, besonders unter dem Einfluss der schlimmen ltliss- 
ernte von 1802, die Not. in Stadt und Land zu grauen- 
erregeinaler Höhe. Zu dem schon lange herrschenden 
Geldmangel kam nun auch der Mangel der einfachen 
Naturgaben, an Welche die Existenz der genügsamen 
Römer und (Iainpagnolen gebunden ist. Der Hungertyphus 
brach mit fürchterlicher Gewalt aus, und die Sterblich- 
keit wurde eine so masslose, dass man ernstlich mit dem 
Gedanken rechnete, die Umgegend von Rom könne tat- 
sächlich sich entvölkern und veröden. Begeisterte Be- 
Wanderer des Römertuins "sagten sich mit Schaudern, 
dies Volk könne aussterben und der Name Römer hatte 
auf Erden keinen Repräsentanten mehr". i) Wenn selbst 
ein Zoega froh war, wenn er für sich und seine Familie 
eine genügende Quantität Brod ,.aaus lllais, Bohnen und 
zur Erhöhung des Gewichts aus Sand gebacken" erhielt, 
so kann man sich nicht Wundern, dass man auf den 
römischen Strassen allmorgeudlich Verhungerte fand und 
dass die Bevölkerung ganzer Ortschaften im Gebirge lang"- 
sam hinsiechte und hinschwaiid.
        

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