Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379430
Die 
Zeit 
der 
[Tmwä lzungcn 
1798- 
147 
rache beruhten, wurden Menschen in Massen in's (fie- 
fangnis geworfen und hingerichtet oder doch monatelang 
in Haft behalten. während zugleich Mord und Raub 
straflos hingieiigen. Die französischen Kommissare selber 
plünderten und ruinirten Stadt und Land nach (iutdünken. 
Die Freiheit, die mit so prächtigen Worten angepriesen 
worden war. erwies sich als ein .„Gemisch von Despotismus 
und Anarchie". i?) In dieser Zeit wurde nnn auch in 
Neapel die republikanisclite Propaganda siegreich; Fer- 
dinand l. musste nach Sizilien fliehen und (ieneral (llham- 
pionnet (irganisirte die .,part.he1iopeiscl1e Republik". Auch 
dort wurde die Kunst nun auf's äusserste bedrängt, und 
besonders der mit Umsicht und Sorgfalt gepflegte Baum 
deutscher Kunst gänzlich entivurzelt. Die deutsche 
Kunstperiomile Neapels, welche die Geebrütler Hackert und 
'l'ischbei11 repräsentirten, gieng zu Grabe. Philipp 
Hzickert hatte als Hofmaler dem König nach Palermo 
folgen können: aber der Reichtum an eigenen und fremden 
Kunst-werken, den er besass, hielt ihn in Neapel zurück. 
'l'ischbeii1 als Akademiedirektor musste natürlich dort 
bleiben. Schrecklichen Zeiten giengen sie entgegen. 
Kaum hatte sich der königliche Hof entfernt, so brach 
völlige Zügellosigkeit und Raubsncht in der Bevölkerung 
aus; die Lazzaroni, sonst die bewunderten Philosophen 
der Berlürfnislosigkeit und Behaglichkeit, wurden unter 
dem lälindruck der von fern her anstürmenden illmivalznng 
aller alltgeivohnten Schranken und Stützen zu einer 
wilden, tierisch rasenden Horde, der (äeissel der Stadt; 
und in dem königlichen Palast Francavilla, den die Brüder 
Hackert bewohnten, zitterte man, dass Word und Plün- 
derung' jeden Augenblick eindringen ltönnten. Endlich 
erschienen die Franzosen, und wurden nun als Beschützer 
von Sicherheit und Ordnung: freudig begriisst. Aber zu 
baldiger schlimmen Enttäuschung! Wenn die Eroberer 
auch der allgemeinen Zerstfirung' wehrten, so stellten sie 
doch selbst die härtesten Forderungen, und verhängten 
aussertlem eine systematische Verfolgung über alle, die 
als entschiedene Royalisten verdächtig; waren. Zu ihnen 
10'
        

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