Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377894
Einleitung: 
XIII 
unbebaut. teils mit anspruchslosen. von der Cultur kaum 
berührten Bauten bedeckt, stellten sich die Ufer des 
Tiber dar. An den beiden Hafen der Ripetta und der 
Ripa (irande spielte sich ein lebhafter, aber einfacher 
Schiifs- und Handelsverkehr der umwohiiendeii Bevöl- 
kerung ab. Mittels Ueberiahrt bei der Ripetta oder die 
Engelsbrücke überschreitend gelangte man nach dem 
Petersplatze, dessen Gesammteintlriick schon damals der 
gleiche war wie heute und welcher zusammen mit der 
Peterskirche den grossartigsten Bau-Anlagen des Alter- 
tums ebenbürtig schien. Vom Vatikan war der eigent- 
liche päpstliche Palast im Wesentlichen schon vollendet; 
aber von den grossen Museumsbauten existierte nur ein 
geringer Teil und das Belvedere mit den in fast religiöser 
Ehrfurcht bewunderten Statuen des Laokoon und Apollo 
stand noch vereinzelt. Auch eine „,Pinak0thek" gab es im 
Vatikan noch nicht; RafaePs und Michel Angeles Fresken 
machten ihn dennoch zur höchsten Stätte malerischer 
Kunst; aber die Verklärung Rafaels schmückte noch den 
Hochaltar von S. Pietro in lllontorio, die Madonna di 
Foligne den von Araceli. In der Campagna lag noch in 
ehrwürdiger Einsamkeit die den [lrzeiten des Christen- 
tums entstammte Basilika von San Paolo und vom Gipfel 
des Monte Cavo, zudem die antike Tlriumphavlstrasse em- 
porführte, winkte noch der Tempel des Jupiter Latiaris.  
Aber nicht nur die Grösse der Natur und Geschichte 
wirkte wie eine beglückende (lflenbarung' auf einen Mengs 
und Winckelmann; auch die Weite und Freiheit des 
menschlichen Daseins, welche sie hier empiiengy schuf 
ihnen eine ungeahnt glückliche Existenz. Der Drang 
nach dem Altertum war zu einem grossen Teil ja nichts 
anderes als das Verlangen nach natürlichem Leben und 
lebendiger Naitürlichkeit, hinaus aus der erst-ickenden 
Oonvenienz und dem irerkünnnernden Formenzxiraiig", 
welcher auf der deutschen Gesellschaft lastete, welche 
die an sich schon genügend despotische, französische Hof- 
sitte noch in's Kleinliche und Spiessbiirgerliche ver- 
schlimmert hatte. Das Ailtertuni erschien als die Zeit
        

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