Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379235
Carstensf 
Wirksamkeit 
römische 
1792- 
1797. 
127 
Hervorragendes zu leisten. Einige der Bilder waren in 
Tempera, einige in Aquarell gemalt, mehrere waren 
Zeichnungen. Die Stoffe waren zum grössten Teil der 
griechischen Sage und Geschichte entnommen, welcher sich 
Carstens am Meisten verwandt fühlte; eine unglückliche 
Zutat waren die Darstellungen von Abstraktionen: des 
Raumes, der Zeit, der Geburt des Lichts. In dieser 
Neigung zum Unermesslichen, Weltumspannenden mochte 
sich Carstens dem Michelangelo verwandt fühlen; aber 
er übersah, dass dieser auch in seinen Schöpfungsbildern 
sich doch an die festumrissenen mythologischen Gestalten 
Glottvaters und der Engel gehalten hatte. 
Aber diese wenigen llIissgriffe konnten den grossen 
Eindruck der klassischen Compositionen der „Ueberfahrt 
des lliegapenthes", des „Gastn1ahls des Plato", des 
„Achilles und Priamusfi und der andern, die wir schon 
früher genannt, nicht zerstören. Es wurde unter den 
Italienern Carstens" Name auf einmal bekannt, und seit- 
dem stets mit hohen Ehren seiner gedacht. Auch unter 
den Fremden, besonders den Engländern, fand Carstens 
aufrichtige Bewunderung. Anders leider unter seinen 
Landsleuten. Von jeher ihm missgiinstig, jetzt noch durch 
seinen Erfolg in ihrer Eitelkeit gekränkt, suchten sie ihn 
auf jede Weise zu verkleinern, bespöttelten und bekrit- 
telten ihn; nur wenige machten davon eine Ausnahme. 
Natürlich wirkten sie auch brieflich nach der Heimat in 
diesem Sinn, und hatten vielleicht (Jarstens ernstlich 
schaden können, wenn eben nicht Fernow energisch auf- 
getreten wäre. 
Auch Fernow hatte gerne selber die Kunst betrieben; 
aber ihm fehlten, wie er in einem ergreifenden Brief 10) 
bemerkt, die materiellen Mittel, um Unterricht zu nehmen 
und um in's Ungewisse zu arbeiten. Ueberhaupt war 
seine Lage nicht leicht; aber der Gedanke in Rom zu 
leben, hatte ihn „auch das Entbehren der dringendsten 
Bedürfnisse zu ertratgen gelehrttt. Er hielt im Winter 
1795,96 in Rom Vorlesungen über Ästhetik, mit steter 
Anwendung auf die bildenden Künste. Im Hause des
        

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