Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379211
'arstens' 
imische 
YYirksamkeit 
1797. 
125 
mus war noch 1795 Passeriis Schrift. Ueber die llle- 
thode Malerei zu lernens).  welche er seltsamer Weise 
in Form eines Gesprächs zwischen ltlengs und Winckel- 
mann herausgab. Hier wird vor allen Dingen gefordert. 
den jungen Kunstschüler geometrische Figuren zeichnen 
zu lassen, weil alles. was wir wahrnähmen, Tiere, Pflanzen 
und anorganische Stoffe, „al1es eine (Iomposition von wag- 
rechten, schiefen oder senkrechten Linien. von Curven 
aller Art, von rechten, stumpfen oder spitzen Winkeln 
bilde". Wenn dieser wundersame Schriftsteller einen Be- 
griff davon gehabt hätte, dass wir überhaupt nur die 
allerwenigsten der unzähligen, möglichen Clurven geo- 
metrisch construiren können, so hätte er die geometrischen 
Figuren wohl weniger angepriesen. Doch dies nur neben- 
bei! Die ganze hölzerne Steifheit dieser Auffassung be- 
darf keines Commentars, und doch wurde sie von 
dem Kritiker der "Efemeridi" durchaus billigend re- 
ferirt. Und derselbe Kritiker schrieb in derselben Be- 
sprechungw es gebe in der bildenden Kunst eine Cirrenze, 
die man niemals ungestraft überschreite, das sei die der 
Naturtreue; wer sie verletze, der verfalle inls Unwahre 
und Schwiilstige! 
Einiges Licht- in diese dunklen (äange brachten (lie 
Schriften, Welche aus der englischen Litteratur bekannt 
Wurden. Schon früher konnten wir auf Reynolds" Reden 
hinweisen; jetzt (1794) Wurden auch die Reden lYesUs, 
des neuen Präsidenten der Londoner Akademie, in Rein 
bekannt. Die Efeineridi brachten eine ausführliche und 
sehr anerkennende Analyse; sie heben als Hauptgedanken 
den Schaden, welchen der "strvolasticismo" in der Kunst 
anrichte, hervor, und fügen von sich aus den verstärken- 
den Satz hinzu: "Um so grösser ist dieser Schaden in 
den Künsten der Phantasie, je grösser die Notwendigkeit. 
ist, in ihnen dein Flug des Geistes mehr Freiheit zu lassen 
als in den abstrakten Wissenschaften." 9) Aber von dieser 
plötzlichen F reiheitssclnvarnierei war Weder in der gleich- 
zeitigen Theorie noch in der Kunstübung Italiens eine 
tatsächliche Folge wahrzunehmen.
        

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