Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379176
Carstens" 
jmisclz e 
Wirksamkeit 
1792. 
4797. 
121 
zosen mehr leiden. Es dringe in die Hauser, beraube sie 
und bedrohe ihr Leben; auch andere Fremde seien ihres 
Lebens nicht sicher, weil das Volk überall den Monssn 
wittere. 'l'atsachlich seien auch die meisten Franzosen 
schon geflohen; was sie an Habe zurückgelassen hatten, 
würde eingezogen. Die grösste Zahl zog sich nach Neapel 
oder Florenz zurück, wo sie aus der Heimat von der 
republikanischen Regierung Unterstützung erhielten. Auch 
der Cardinal Bernis konnte für seine Landsleute nichts 
mehr tun, da die Republik natürlich ihm das Amt des Bot- 
schafters entzogen hatte; er blieb jedoch als der einzige 
Franzose von Namen in Rom zurück; fast in Dürftigkeit 
lebte er zuletzt, und starb schon im Jahre1794. Seine 
Grabstatte fand er in der französischen Nationalkirche San 
Luigi, wo Laboureur ihm 1805 das einfache Denkmal setzte. 
Natürlicherweise iolgten auch viele Nicht-franzosen 
dem Beispiel der verhassten Republikaner, und flohen 
vor dem Pöbel, der unter den Fremden wenig" Ynter- 
schied machte, und den ihm Beistand leistenden Sbirren 
in sicherere Orte. Der berühmte FlttXlllilll verliess da- 
mals Rom, wie auch zahlreiche Deutsche. Man könnte 
nun meinen, für die Zurückbleibenden müssten die Chan- 
cen der Anerkennung und der Aufträge daher mehr ge- 
stiegen sein. Aber anfänglich war das doch nicht so. 
Zeiten der Unruhe und Verwirrung" sind der Kunstpiiege, 
dieser feinsten und verletzlichsten Blüte am Baum des 
menschlichen Strebens, überhaupt ungünstig; dann aber 
kam noch hinzu, dass nicht nur die Künstler, sondern 
auch die lllacene aus Rom fortgeeilt waren. Wir wissen, 
dass diese letzteren meist Ausländer waren, die Italiener- 
hatten für ausivärtige Künstler wenig übrig;  und die Aus- 
länder, die ja meist nur aus Liebhaberei in Rom lebten, hatten 
sich natürlich schnell in Sicherheit. gebracht. S0 War für die 
Zurückbleibenden, auch nachdem der schlimmste Sturm 
vorübergezogen war, eine schwere Zeit angebrochen, und. 
ein einsichtsvoller, grossdenkender Mann, der etwa das 
Genie eines Carstens hätte erkennen und fördern können, 
wie ein Graf Friess oder auch nur wie ein Lord Bristol 
        

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