Volltext: Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik

römische 
arstensy 
Wirksamkeit 
1797. 
119 
Mit den Landschaftsmalcrn, die wir schon öfters er- 
wähnt haben, und zu denen damals noch Hu in inel und 
Stra ck aus Cassel stiessen, hatte (Tarstens seiner ganzen 
Anlage und Kunstrichtung' nach nur u'e11ig' Berührung; 
von Historienmalern kamen hauptsächlich die Maler 
Müller und S ch lnidt aus Saarbrücken in Betracht; beide 
konnten Carstens nichts bieten. Angelika Kauffmann 
genoss eine rvietätvolle Verehrung, der sich aber doch 
einige Nachsicht beiniischte; auch sie War keine Minerva 
für einen suchenden und kämpfenden Odysseus. Als ein 
wohhneinender Freund schloss sich ilnn ein früherer Be- 
kannter an, der mecklenburger Bildhauer Busch, der aber 
als Künstler nicht viel bedeutete. 
Bei ihnen allen, am meisten natürlich bei den ganz 
jungen noch lernenden Künstlerburschen und Stipendiaten, 
fand (larstens ein mechanisches handiverksmassiges Wesen, 
das ihm abstossend und verächtlich war. Was er als das 
Höchste empfand, die freie geniale Erfindung, das war 
diesen Künstlern fast unbekannt; sie waren nicht nur 
sklavisch vom Modell aibhangig, sondern noch vielmehr 
von den künstichen Behelfen, den Gliederpuppen und 
den Wachsfig-iireii, aus welchen man eine Composition 
mühsam zusammenbaute und drechselte. Andererseits 
gieng Carstens in dem Verwerfen aller beschränkenden 
Hilfsmittel soweit, dass er auch das Zeichnen nach dem 
Modell verwarf und sich ausschliesslich auf die freie 
geistige Produktion verliess. Nicht als 0b er das Natur- 
studium verworfen hatte; aber er Wollte es nur in Un- 
abhängigkeit von der einzelnen künstlerischen Aufgabe be- 
treiben; er wünschte es zugleich aber so eingehend ge- 
pflogen, dass das Gedächtnis die ganze Erscheinung der 
menschlichen Natur beständig bewahrte und der Künstler 
frei aus diesem Schatz schöpfen und damit wirtschaften 
könne. Dass diese Anschauungen auf Carstens Produktion 
auch ihren schädlichen Einiiuss hatten, ist bekannt, aber 
diese üblen Wirkungen zeigten sich nur in der Einzel- 
ausführungy während in der Composition er sich turnt- 
hoch über seine mechanisch arbeitenden Genossen erhob,
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.