Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379140
118 
Siebenter 
Abschnitt. 
Glänzend war 'l'rippel's Loos bis zuletzt nicht ge- 
worden, obgleich es ihm an Anerkennung nicht gefehlt 
hatte. Grosse Wleltmännei" konnten die deutschen Künst- 
ler damals nicht werden, wie es Canova am Hof des 
Papstes wurde. Sie mühten sich, und mussten froh sein, 
wenn ihr Mühen nicht ganz unbelohnt blieb. Carstens 
konnte sein Schicksal voraussehen, wenn er an Trippells 
(irabe stand; noch nicht fünfzig Jahre alt war der Bild- 
hauer seinem Schicksal erlegen, und der Maler erreichte 
eben die vierzig mit schon geschwächtem Körper und dem 
Bewusstsein der schwersten überstandnen Mühsale. Aber 
ihn konnte das nicht erschüttern noch zurückhalten; er 
gieng; den Weg AchilPs, den Weg des kurzen ruhmvollen 
Lebens, dessen stolze Hoheit- das Geschrei gleichzeitiger 
oder späterer Thersitesse nicht zu ändern vermag. 
In seiner durchaus selbständigen Eigenart und Be- 
strebung wurde Carstens bald von einem der deutschen 
Künstler unangenehm berührt, von Rehbergx Dieser 
hatte sich bescheiden in den Tadel des Berliner Ministers 
gefügt und stand zu ihm wie zur Akademie wieder in 
gutem Verhältnis. Auch fanden seine Bilder jetzt in 
Rom mehr Anerkennung, wie es z. B. Hirt in einem 
Brief an Goethe ausspricht, Rehberg habe sich sehr ge- 
bessert, auch im Malen; ,.unter anderm in einem nicht 
grossen Bilde, den verwundeten Amor mit Venus nach 
Anakreon vor-stellend; es muss jedem gefallentiß) Anders 
urteilte freilich Meyer, als er 1796 wieder in Rom 
sich aufhielt. 4) Die Akademie hatte Behberg' mit einer 
gewissen Aufsicht über die, nach Rein gesandten jungen 
Künstler betraut; er glaubte nun auch über Carstens 
eine solche Kontrolle üben zu sollen. Carstens seiner- 
seits meinte wohl mit Recht, keines Aufsehers zu be- 
dürfen. Er wollte überhaupt von der Aikademie unab- 
hängig; sein (deren vollberechtigter Professor er ja auch 
war), und nur an den Minister von seinen Fortschritten 
berichten. So kam es bald zwischen ihm und Reh-berg 
zu einer Spannung, die dahin führte, dass Oarstens 
schliesslich jeden Verkehr mit jenem abbrach.
        

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