Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379124
116 
Siebenter 
Abschnitt. 
und seihaffend auszuleben. Lange genug hatte die Welt 
ihn gedrückt; nun mochte sie auch einmal ihm dienen, 
ohne für die dürftige Gabe neue Knechtschaft von ihm 
zu verlangen. Was er bisher in Berlin nur langsam 
und in der Stille hatte beginnen und fördern können, 
das sollte jetzt frei zu stolzem Fluge sich entfalten. 
Schon hatte Garstens in Berlin einiges in der Art 
komponirt, welche in den folgenden Jahren sein höchster 
Ruhmestitel werden sollte; aber sein Biograph Fernoivel 
bezeugt uns doch, Wie „seine erste römische Arbeit auf- 
fallend von der letzten berlinischen abstach". Schon der 
Aufenthalt in Florenz wirkte auf ihn erhebend, beson- 
ders (lurch die Skulpturen Michel Angeles in der 
Mediceerkalaelle. Eine fignrenreiclie Komposition, die 
Schlacht der Kentauren und Lapithen, arbeitete er dort 
aus freier Phantasie, in absichtlichem Gegensatz zu einem 
deutschen Künstler, der ihm vorpredigte, man könne nur 
nach Thonmodellen und Wachsiiguren komponiren. Hier 
kündigte sich schon symbolisch an, dass für die durch 
Mengs, David, Ganova akademisch gefesselte Kunst der 
Befreier herannahe, der das vollziehen konnte, was Goethe 
den Weg von der Manier zum Stil nannte. Was der 
Dichter, aus Italien zurückkehrend, aus dlVlllät0l'lSCl18l' 
lllinsicht entwickelt hatte, die Stufenfolge der Kunst von 
der knechtischen Nachahmung der Natur, durch die be- 
engende subjektive Manier, zur freien Grösse des Stils 
 das wurde nun durch die Erfahrung, im Aufsteigen 
eines gewaltigen Genius bestätigt. 
Im Studium der grossen Meister der Renaissance fand 
sich auch Carstens mehr zu Rafael als zu Michel Angelo 
hingezogen, obgleich in seiner Natur auch Verwandtschaft 
mit dem letzteren lag. Er hatte aber Wohl Recht, eben 
nur des Dranges nach dem Hoch-Sgrmbolischen willen, 
- der seine Genialität, aber auch seine Gefahr bildete, sich 
lieber an Rafael zu halten, von dem er die einfache Be- 
schränkung" auf die sinngemasse Darstellung einer voll 
entfalteten, fest bestimmten Handlung entnehmen konnte. 
Gegenüber den zeitgenössischen Künstlern konnte
        

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