Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379096
Die 
ersten 
historismwhei' Kunstbe 
Anfäixlg-e 
1788- 
1792. 
113 
Ünrecht daran getan. Als aber Canova durch das Grab- 
mal (llemens XIV. ein hochberühmter Mann geworden 
war, da. glaubte Bezzoilico auch die Ausführung jenes 
Entivurfs nicht beanstanden zu sollen. Canova gieng" 
daran mit dem vollen Bewusstsein der bedeutungsvollen 
Aufgabe. in der ersten Kirche Roms neben so zahlreichen 
plastischen Zeugen der verschiedenen Kunstperioden sich 
mit einem vollwichtigen Meisterstücke stellen zu sollen. 
Und er war sich dessen bewusst, dass es sich darum 
handelte, nicht etwas zu schaffen, was den Werken der 
Barockzeit gleichkomme, sondern was neben ihnen ein 
selbständig Neues repräsentire. Es durfte ihn dabei die 
Zuversicht heben, dass er im Einklang; und mit der be- 
geisterten 1Anerkennung' seiner Zeit arbeite; Francesco 
Milizia schrieb schon 1790: wenn dieses Werk vollendet 
sein werde. so werde es nicht nur das schönste, sondern 
das einzige schöne in St. Peter sein") Aber trotz allen 
Eifers und aller Sorgfalt konnten die Nlangel des Ent- 
wurfs doch nicht gutgemacht. werden. Die einzelnen 
Figuren des Denkmals sind vortreflich: der betende 
Papst, der (Genius, die Löwen, weniger die Religion, wenn 
gleich ihre Steifheit eine gewollte, nicht durch Empfin- 
dungslosigkeit verschuldet ist; aber die Verbindung zwi- 
schen den Einzelgestalten fehlt (lurchans; sie sind blos 
nebeneinander gestellt; das ganze Werk ist überhaupt. 
nicht zu einem einheitlichen Bilde cornponirt. Auch ist 
das vielleicht nicht zufalligx (Erewisse Freiheiten, mit 
denen (Ianova. das Grabmal Clemens XIV. belebt hatte. 
die Scheidung der Basis in zwei Stufen, die tief geneigte 
Haltung der einen Gestalt. schienen ihm vielleicht jetzt 
nicht streng' und stilgerecht genug; er wollte klassisch 
würdevoll sein und wurde steif und trocken. An Beifall 
fehlte es ihm trotzdem nicht, sowohl als das Modell im 
Jahre 1792 vollendet war, wie auch als endlich das Werk 
selbst 1795 in St. Peter enthüllt wurde. Doch filhrt uns 
dieser letztgenannte Zeitpunkt schon in eine andere 
Kunstepoche hinein, in die, welche durch die grosse, viel- 
Harnaok 
Knnstleb
        

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