Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1379069
110 
Sechster 
Abschnitt. 
man kaum gefunden zu haben meinte, sich schon fühlbar 
machten. IÄIir kennen bereits Hirts Lehre von der Be- 
deutung des (Öharakteristischen im Gegensatz zum Ideal- 
schönen; es tauchte nun auch der Gedanke auf, dass 
nicht in der Begelmassigkeit eines Mengs oder David die 
die Schönheit beschlossen sei, sondern (lass sie ein Indi- 
viduelles von reichhaltiger A.usprätg'u11g' sei. In der Be- 
sprechung eines acht meugsischen Buchs der „lnvestig'a- 
ciones" des Spaniers Arteag'a  er war Bibliothekar 
des Marchese Azara  fragten die lilfemeritli 1789 mit 
ziveifelnder Unsicherheit: „Ist wohl die Vorstellung der 
IIoIlkonnnenheit, Welche die ideale Schönheit ausmacht 
und die Hand des Künstlers leitet, absolut und allgemein 
oder ist sie von jedem einzelnen fliünstler abhängig? Im 
erstern Falle kann man die Wunderbare Verschiedenheit, 
welche im Geschmack der einzelnen Nationen wie der 
einzelnen lndivitluen herrscht, nicht erklären; im andern 
Falle Würde zu folgern sein, dass die Gedanken eines 
jeden Künstlers als Grundlage der allgemeinen 'l'heorie 
des Schönen dienen sollten, eine Consetjuenz, die ebenso 
der Wahrheit wie den Anschauungen unsres Autors zu 
widersprechen scheintß") Das  um das es sich 
hier handelt, ist durch die auf Kant gegründete Aesthetik 
in Deutschland überwunden worden; in Italien regte sich 
damals erst die schüchterne Frage. Aber die Frage ent- 
sprach einer richtigen Ahnung, dass das Ideal, welches 
man suchte, durch die bisherigen Künstler noch nicht er- 
reicht Worden sei, weil sie einem zu engen, schillmassigr- 
schematischen Begriff des Schönen folgten, wie ihn ja 
Mengs auch theoretisch in seinen 'l'raktaten niedergelegt 
hatte. Es lag darin die Hoffnung", dass man noch andere 
ltünstlerische Kräfte erwarte, welche die subjektive Frei- 
heit mit der objektiven Gesetzniassigkeit itereinigten. Und 
sie kamen in Carstens und Thorwzildsen l  Aber es kündigte 
in jener Frage sich zugleich auch die lllüglichkeit einer 
Opposition an, welche der Herrschaft des aillniätchtigen 
Schönheitsideals überhaupt Revolution machen könnte: 
und auch diese Opposition kam!  Doch ehe wir diese
        

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