Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378946
98 
Sechster 
Abschnitt. 
Angelika Kauffmann, wenn auch nicht so masslos ent- 
zückt, gaben doch ein günstiges Urtheil ab, und Ange- 
lika's grämliclier Gatte, der alte Zucchi, sagte kurzweg: 
„Werls Kopie nennt, ist ein Riudviehht Auf jede Weise 
wollte nun Bury das Gemälde Goethe ziuvelnleii, der sich 
zuerst etwas misstrauisch verhielt; natürlich nicht. ganz 
ohne Gewinn, denn er war ein aimer Schlucker. aber 
doch für ein Billiges. Er hatte zur selben Zeit nach 
seiner Meinung noch ein zweites Prachtstück, einen an- 
geblichen ,.Herzog von Urbino" von läaroccio aus dem 
Nachlass des (Iardinals Aquaviva an sich gebracht, den 
er mit (lerselben Leidenschaftlichkeit ("Jroetthe anpries. 
ldntllich wurde die Pieta vom Herzog; von Weimar. der 
Bai-occio von Goethe angekauft; 
Wenn der gute Bury bald gezügelt, bald zur Ver- 
nunft gebracht werden musste, dabei aber seine natür- 
liche Freiheit und Uugezivungenheit, immer behielt, so 
waren andere in ihrer Verzagtheit und Niedergeschlagen- 
heit aufzurichten. Rührend ist die (Toiresponilenz der 
zarten Aingelika mit Goethe. dessen Abreise sie um 
Iiebensfreutle und Mut gebracht hat, so dass sie nur an 
seinen Briefen sich wieder aufrichtet in einem Dasein, 
das selbst nach dem Zeugnis des nüchternen Reiffenstein 
(lurch die  ihres Clatten mühsam und qualeixtl 
war. Auiiichttig klingt die Dankbarkeit Rehbergs, wel- 
cher in seinem Zerwürfnis mit dem Michel Angele 
feindlichen Minister von Heinitz bei Goethe guten 
Rath fand, der freilich vor allem die Duldsamkeit em- 
pfahl, da. Rehberg nun einmal kein Kunstvgenie war, das 
allzu grosse Ansprüche stellen durfte. Ganz und gar 
von und in Goethe's (iedanken lebte Heinrich Meyer. 
der teils eigene (lompositionen nach Goethe's Rat und 
Kritik entwarf und ausarbeitete, theils auch Kopieen mit 
grösster Sorgfalt für ihn zuifertig'te. Schutz, der behäbige 
,.('vonte"t, wurde in eifrige dlä-tigkeit gesetzt. um Land- 
schaftszeichnungen nach Weimar zu liefern; auch für 
Goethe's Darstellung des römischen (larneval steuerte er 
Bilder charakteristischer lllasken bei. Lips, der Kupfer-
        

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