Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378858
Goethe's 
zweiter 
Aufenthalt 
Rom 
in 
1788. 
89 
Unterricht genossen. Ohne grosses Talent und ohne 
nennenswerte Leistungen, hatte er in Preussen 1787 
doch den Professortitel erhalten, und wurde zugleich von 
dem Minister von Heinitz wieder nach Rom geschickt, 
um Kopieen nach Gemälden und Zeichnungen nach Statuen 
anzufertigen, nach welchen dann die jungen Akademiker 
in Berlin wieder kopieren sollten. Der Mangel an Kunst- 
sammlungen nördlich der Alpen, der noch teure Preis 
der verhältnismässig seltenen Stiche nach Kunstwerken, 
führte in einem Zeitalter, welchem die Photographie noch 
unbekannt wer, zu so kümmerlichen Auskunftsmitteliil Die 
harten Urteile, welche oft und gern über die damalige 
künstlerische Plrziehung' gefällt werden, dass sie bei der 
fortirahrenden nachahmenden Beschäftigung" mit den 
besten Meistern, doch nicht zu bedeutenden eignen 
Tieistuligeii führte, würden sich vielleicht mildern, wenn 
man bedachte. dass jene armen Kunsteleven nach Kopieen 
und ZWQI" nach Kopieen sehr mittelmässiger Künstler 
studiren mussten. Rehberg" lieferte Zeichnungen sowohl 
von Antiken wie dem Laokoon und der mediceischen 
Venus als auch nach G-eniälden und Fresken der Re- 
naissance. Er schloss sich ganz Goethe und dessen 
speziellem Uingaiigskreise, lizloritz, Schütz, Bury an und 
erwarb sich Goethe's Zuneigung, so dass später auch einige 
Briefe ZWlSChGII ihnen noch gewechselt wurden. Eine 
gewisse ruhige Yerständigkeit war ihm eigen, wie sie 
Goethe schätzte und wie sie besonders in Reliberg"s 
Urteil über den schwankenden und trübsinnigen Moritz 
sich kund tut. Seine eignen Werke wurden übrigens 
auch in diesem Kreise nicht sehr hoch geschätzt; was 
seine Kopieen betrifft, so war der Minister init- den 
Zeichnungen nach der Antike zufrieden; äusserst unge- 
halten aber, geradezu in beleidigender Art, als Rehberg sich 
an eine malerische Vorlage machte. Er fand „weder 
schöne noch richtige Umrisse, keine Verhältnisse und 
noch weniger Anatomie".  Allerdings kann sein lirteil 
nicht als unparteiisch gelten, da es sich um Michelangelo, 
um Figinen aus dem „J üngsten Gericht" handelte und 
wir schon wissen, wie er über dieses dachte.
        

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