Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378832
zweiter 
Goethe's 
Aufenthalt 
1787- 
Rom 
4788. 
87 
friedigendem Schaffen. Neben dem Auftrag des Fürsten 
von Waldeck hatte er damals ein Skulpturtverk grössten 
Umfangs, das Grabmal des Gouverneurs von Moskau, 
Grafen üschernyschew, auszuführen bekommen. Die Mi- 
schung von allegorischen und realen Bestandteilen ent- 
spricht freilich nicht unserm Geschmack; auf dem Haupt- 
relief wird der Graf von Saturn entführt; die Stadt Mos- 
kau will ihn zurückhalten; 'J.'ugenden folgen ihm nach; 
Merkur und Charon harren am Lethestrom; aber es war 
immerhin eine äusserst vielseitige Aufgabe. ein Meister- 
stück im eigentlichen Wortsinn, das ihm gestattete, in 
jeder Hinsicht eine Probe seines Könnens abzulegen. 
 Sehr gelobt. wurde auch eine Statuette, die den Car- 
dinal Albani darstellte. Der Künstler erhielt dann den 
Auftrag. eine Büste des Königs von Preussen anzufer- 
tigen. den er vermutlich niemals gesehen hatte; hier 
wurde die Frage der realistischen Aehnlichkeit (ider der 
ldealisirung noch mehr brennend, und wir haben ein 
sehr interessantes Zeugnis von dem urteilsfähigen Moritz, 
wie der Künstler sich zu dieser Aufgabe verhielt. „'l'rip- 
pel". schreibt er an Goethe am 7 Juni 1788, „hat nun 
die Büste des Königs von Preussen in Thon gebildet: 
sie war erst gar zu sehr idea-lisirt und zu wenig kenn- 
bar  ich bin einen ganzen Nachmittag bei ihm ge- 
wesen. und habe ihm nach Anleitung der Maske die 
Züge gesagt, deren ich mich von der Gesichtsbildung; 
des Königs erinnerte. Ohne zu achten der mehreren 
Aehnlichkeit aber. bleibt die Bildung; immer noch sehr 
veredelt." H) Wir sehen. dass Trippel sich hier, wo 
ihm persönliche Kenntnis abgieng, nicht scheute, auch dem 
Rat. eines vor Allem auf die Aelmlichkeit Bedachten zu 
folgen. dass aber trotzdem er an seiner idealisiren- 
den Kunstart festzuhalten wusste. Goethe hatte wohl 
Recht zu rühmen. dass er von Trippel erst „über die 
menschliche Gestalt als Kan 011 und als ab weichenden 
Charakter" aufgeklärt worden sei. Gerade diese Frage 
nach dem Verhältnis des Typischen zum Individuellen, 
welche später das Grundproblem von Goethe's Kunst-
        

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