Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Klassik
Person:
Harnack, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377511
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1378827
86 
Fünfter 
Abschnitt. 
uns ein einziger Satz Goethe's. „Das Vorzügdichste war 
dabei, dass man gerade das Hinreichende und nicht zu 
viel lernte." Man kann sich lebhaft vorstellen, wie der 
Schüler. ruhig; und bestimmt, das Zuviel abgeschnitten 
haben mag, wenn der Lehrer seine krausen und krum- 
men Phantasieen in den einfachen Vortrag optischer Tat- 
sachen einmischen wollte. Mit Bury, Schütz, dem Kupfer- 
stecher Lips verkehrte Goethe in gewvohnter Weise, und 
nützte ihren Rat auch bei seiner mit grösster Sorgfalt 
durchgeführten .Modellirung eines Fusses, wobei er seine 
neugewonnenen anotomisch-morphologischen Einsichten 
zu verwerten suchte. Am meisten aber bekannte er 
auch Clabei dem von ihm immer mehr geschätzten 
Heinrich Meyer zu verdanken, mit welchem sein Ver- 
hältnis sich fester und fester schloss. Sicherlich aber 
blieb auch nicht ohne Gewinn für ihn seine hauüges 
Zusammentreffen mit dem bedeutendsten deutschen Bild- 
hauer Alexander Trippel. Im Auftrag; des Fürsten 
von Waldeck schuf dieser damals die berühmte Büste 
Goethe's, welche neben Tischbeiifs Bild das klas- 
sische Zeugnis von Goethe's römischer Künstlergemein- 
schaft ist. Wir haben schon früher über TrippePs künst- 
lerische Eigenart geredet und auf diese Büste als ein 
typisches Beispiel seines auf Grund der Naturtreue sich 
zum Idealen erhebenden Stils hingewiesen. Goethe's be- 
scheidne Aeusserung, er (liirfe zufrieden sein, wenn die 
Nachwelt meine, dass er so ausgesehen habe, beweist, 
dass er selbst hier eine zu grosse Idealisirung fürchtete; 
aber in solcher Frage ist der Beteiligte selber nicht der 
geeignete Richter, auch nicht seine nächste Umgebung. 
welche immer das zufällige, aber gerade in die Augen 
fallende dargestellt zu sehen wünscht und vor Baumen den 
Wald nicht iindet. Hier gilt das Wort: "Und wenn die 
Nachwelt recht geniessen soll, so muss des Künstlers 
Mitwelt sich vergessen." Die Nachwelt hat längst zu 
Gunsten von Trippefs Werk entschieden. 
Der lange in gedrückten Umständen lebende Künstler 
gelangte übrigens damals zu wirklich freudigem und be-
        

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