Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375712
DER 
STIL. 
Rücksichtlich der Naturnachahmung fordern wir vom Meister ab- 
solute, objektive Realität der nachgeahmten Gegenstände und ist es 
also klar, dass eine die NVirklichkeit alterierende Individualität prin- 
zipiell gar nicht erscheinen darf. Haben dennoch Alteretienen des 
natürlichen Vorwurfs stattgefunden, so kann der Grund liegen: I) in 
künstlerischer Unfähigkeit; dadurch ist selbstverständlich der Begriff 
der Meisterschaft aufgehoben. 2) In dem transscendentalen Abirren 
der subjektiven Auffassung. Auch hier liegt absolut genommen ein 
Mangel der Meisterschaft vor, welcher jedoch den im gleichen Irrtum 
befangenen (derselben Nation etc. angehörigen) Menschen gegenüber 
nicht in Betracht kommt. 3) In der durch den Stoff notwendig be- 
dingten F ormgebung; in diesem Falle ist der Begriff der Meisterschaft 
nicht aufgehoben, sondern vielmehr in seiner zweiten wesentlichen Be- 
ziehung bestätigt. 4) In willkürlicher Stilisierung, hier ist der Begriff 
der Meisterschaft durch korrekte Verwendung dieses negativen Mo- 
mentes bedingt. Bezüglich der Procedur kann die Besonderheit eines 
Stiles begründet sein I) wiederum in künstlerischer Unfähigkeit. 2) In 
der Beschränkung auf eine bestimmte F orm'der Procedur bei objektiver 
Mehrseitigkeit derselben. Da diese jedoch eine willkürliche ist, so wird 
man den Gesichtspunkt der Stilisierung zu beachten haben.  Durch 
eine für die Procedur unwesentliche Eigentümlichkeit im Gebrauche 
des Werkzeugs kann auf technischem Gebiet der Begriff der Meister- 
schaft nicht vollendet oder beeinträchtigt werden. Allein statt dessen 
wird der Umstand ausschlaggebend, dass die Erscheinung der Procedur 
in die Realität des Gegenstands eingreift: daraus ergiebt sich eine 
Grenze des zulässigen Masses von Eigentümlichkeit in der Manier, 
deren Überschreitung den Begriff der Meisterschaft aufhebt, wenn sie 
nämlich durch Alteration des Naturgegenstands den Effekt einer grund- 
losen Stilisierung hat. 
Von den aufgezählten Verschiedenheiten der Kunsterscheinungen 
können wir die absichtliche Stilisierung füglich unberücksichtigt lassen, 
weil die gemeinsame Absicht aller im Ganzen genommen auf einfache 
Nachahmung der natürlichen Erscheinungen gerichtet ist. Nicht be- 
rücksichtigt werden darf aber auch die Wirkung des höchst subjektiven 
Ideals, welches dem Betrachter und dem Künstler gemeinsam angehört 
und ihnen nicht bewusst ist. Die Technik aber ist in allen Fällen bei 
demselben Werkstoff gleich. Daher bleiben als allgemein zulässige 
Verschiedenheiten der künstlerischen Darstellung nur übrig 
diejenigen, welche auf einer gewohnheitsmässig eigentüm- 
lichen Auswahl der dargestellten Gegenstände und ihrer 
Erscheinungsbedingungen beruhen, ferner diejenigen der
        

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