Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375671
DER 
STIL. 
begleitende negative Eindruck, der die Veranlassung giebt zu der 
Meinung, es handle sich um eine eigentümliche Darstellungsweise gegen- 
über den Gegenständen, beruht zum grössten Teil auf der besonderen 
Unwahrscheinlichkeit des so wohlgeordneten Zusammentretens einer 
Mehrzahl von Erscheinungen in der Natur, und nur zum geringeren 
Teil oder nicht notwendig auf einer mitunterlaufenden Stilisierung. 
Eine solche Darstellungsweise wäre aber in vielen Fällen dem Gegen- 
stand und Zweck der Bilder ganz unangemessen. Nicht eine monu- 
mentale, sondern eine angemessene Darstellungsweise ist in jedem Falle 
zur Vollkommenheit der Kunstleistung erfordert. Zu den Stilgesetzen 
gehört ferner auch dasjenige, wonach die Kunstarten möglichst auf 
Wirkung durch ihre eigenen Mittel ausgehen sollen. Wer also das 
spezifisch Schöne der Kunstarten sehr eifrig betont, der dürfte bei 
einiger Consequenz sein Urteil dahin abgeben, dass derartige Compo- 
sitionen sogar unmalerisch und darum stilwidrig seien, indem dieselben 
offenbar mehr auf Wirkung durch eine architektonische Anordnung der 
Massen und durch die organische Schönheit dargestellter Körper, als 
auf farbige Wirkung ausgehen. Damit hätte man jedoch über's Ziel 
hinausgeschossen. Denn es giebt eigentlich keine spezinsch architek- 
tonische Composition, vielmehr sind die Normen der Linienführung und 
Massenverteilung in allen Fällen gleich für das Auge. Die monu- 
mentale Composition dagegen ist in der Architektur eine einfache und 
grosse wie in der Malerei; wir pflegen freilich vorzugsweise an die 
monumentale Architektur zu denken, wenn wir von "architektonisch" 
sprechen. Wenn man nun schon sagen kann, dass Gemälde, welche 
eine monumentale Zweckbestimmung haben, auch entsprechend be- 
handelt sein sollen, so leuchtet dies umsomehr ein, wenn sie in Zu- 
sammenhang mit monumentalen Gebäuden treten. Denn überhaupt ist 
bei der Ausschmückung eines Gebäudes mit Bildern, welche nicht frei 
aufgehängte Tafelbilder sind, die Darstellungsweise des ersteren für die 
der letzteren als Stileinheit massgebend; hier vereinigen sich beide 
unter einem höheren Gesichtspunkt. 
Bei grossen Compositionen läuft jedoch häufig etwas mit unter, was 
thatsächlich Stilisierung ist, nämlich eine gewisse Beschränkung in den 
Eigentümlichkeit des Dargestellten, sondern der Darstellungsweise. Wir müssen 
demnach an den relativen Stilen jeweils eine Zerteilung vornehmen, um den abso- 
luten Stil zu erhalten, und in letzteren lässt sich das Individuelle nicht irgendwie 
festhalten. YVenn der relative Stil Michelangelds in seiner Totalität absoluter Stil 
ist, dann ist es notwendig der Stil Rafaels nicht, oder er wäre ganz und gar der- 
selbe. Allein Vischer weist die Unterscheidung zwischen objektivem und subjektivem 
Stil ausdrücklich ab.
        

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