Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375658
DER 
STIL. 
Kunstgeschichte Äusserungen eines subjektiven Ideals mit der natu- 
ralistischen Erscheinung in Widerspruch, welche eben deshalb bedeu- 
tungslos sind, weil sie ihren Urhebern selbst nicht bewusst waren. 
Diesen beiden Erklärungen gegenüber wird bezüglich einer Reihe von 
Kunsterscheinungen die Behauptung, dass durch dieselben die Gültig- 
keit des Satzes widerlegt werde, wonach die Kunst auf naturalistische 
Nachahmung der wirklichen lNelt ausgeht, in nichts zerfliessen. That- 
sache ist insbesondere, dass die grossen Kunstepochen der Antike und 
Renaissance sich von den vorausgegangenen gerade auch dadurch unter- 
scheiden, dass sie von der früheren subjektiven Gebundenheit zu einer 
freien und naturwahren Darstellungsweise durchgedrungen sind. 
Es ist ein bekannter Gebrauch, an einem Kunstwerk zu loben, 
dass es „Stil" habe. Damit meint man mitunter nicht irgend einen 
beliebigen subjektiven Stil, der ja, wenn zwar einheitlich, doch ein 
falscher sein könnte, und man denkt dabei auch nicht an eine tadel- 
lose Befolgung der objektiven Stilgesetze. Man meint vielmehr eine 
grosse, oder, wie man es auch ausdrückt, eine monumentale Kom- 
positionsweise, und dabei wird der Begriff des Stilisierens 
gestreift, weil eine solche eine Erhebung der Erscheinung des Dar- 
gestellten über die gemeine Wirklichkeit in sich schliesst. Für uns 
kommt es darauf an, ob und inwiefern die entsprechende Forderung 
von Stil eine berechtigte ist. 
Fr. Vischer verlangt einen monumentalen Stil in allen Fällen. 
Denn er hält ihn geradezu für ein Erfordernis der Meisterschaft. 1) 
Auch der Künstler Anselm F euerbach, der einen monumentalen Stil 
meisterhaft handhabte, sagt einmal: „Der sogenannte Realist bleibt 
immer im Detail stecken; Stil ist richtiges Weglassen des Unwesent- 
lichen." Et ist nun zwar allerdings ein notwendiges Merkmal der 
meisterhaften Technik, dass das Bild nicht durch eine Aneinanderreihung 
I) Er definiert (Ästh. S 527) den Stil überhaupt dahin: „Die Einheit der, obwohl 
innerhalb der Grenzen einer gewissen Auffassung, mächtigen und weiten Subjektivität 
mit der vollendeten Technik ist"  „die wahre Meisterschaft. Diese Subjektivität 
durchdringt den Gegenstand und sich mit ihm, scheidet alles Unbestimmte, Gedruckte, 
Kleine und Gemeine von dem Wesentlichen aus und legt die der Grossheit ihrer 
Anschauung entsprechenden, in festem Rhythmus schwungvoll bewegten, durch ihren 
über den Wechsel des Augenblicks erhabenen Charakter monumentalen Formen in 
der schöpferisch umgebildeten Technik nieder. Die Technik als habitueller Ausdruck 
dieser objektiven Gewalt des Genius, oder das Ideale wie es in der technischen Ge- 
wöhnung erscheint, heisst Stil."  „Der Meister im vollen Sinne des Worts schafft 
eine neue Technik,"  Diese Definition ist verworren, weil sie das Individuelle in 
einem absoluten Stilbegriff festhalten will, und weil sie die Begriffe des Stils und 
der Meisterschaft zusammenwirft.
        

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