Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375646
N ACHAHMUNG 
UND 
STIL ; 
MEISTERS CH AFT; 
KLASSIZITÄT. 
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setzmässigkeit gemeint sein, z. B. bei einem Iapanesen oder bei einem 
Kabylen; die Stileinheit ist an dessen hässlichem Kopf etwas Schönes, 
und im Übrigen wird er nur unter dem Gesichtspunkt des Realismus 
schön gefunden. Kehren wir nunmehr zu den nachahmenden Künsten 
zurück. 
Dem stilisierten Bild steht das naturalistische Abbild gegenüber. 
Wir haben in einem früheren Abschnitt gezeigt, dass eine pure 
Verwechslung dazu verleitet, die naturalistischen Bilder als dem Prinzip 
des Idealismus widersprechend anzusehen. Nach dieser Richtung hin 
kommt es allein darauf an, ob die naturalistischen Bilder Schönes oder 
Hässliches darstellen, aber nicht darauf, ob das Schöne mehr oder 
weniger naturwahr dargestellt ist. Dagegen hebt die gemeine Täuschung 
den Kunstgenuss auf. Allein ob deshalb die Hinzufügung eines nega- 
tiven Momentes zum Bilde geboten ist, das richtet sich, wie wir nach- 
gewiesen haben, lediglich nach dem subjektiven Bedürfnis. Und dieses 
Bedürfnis besteht erfahrungsgemäss bei den mit Rahmen versehenen 
Gemälden überhaupt nicht bis zu dem Grade, dass ausser diesem 
Rahmen noch eine Stilisierung erfordert wäre. Auch bei den Werken 
der Plastik könnte das Postament oder jede andere Abgrenzung des 
Bilds gegen die reale Welt vollkommen ausreichen, um die Täuschung 
zu verhindern; es kommt dabei garnichts weiter in Betracht, als unsere 
Gewohnheit.  Dass Bilder, welche einem architektonischen Kunstwerk 
subordiniert sind, den Stil desselben annehmen, haben wir soeben 
gesagt. Kann es aber auch bei freien nachahmenden Kunstwerken 
vorkommen, dass eine Stilisierung erfordert ist? 
Die Ästhetik muss sich auf die Erfahrung der Wirkungen des 
Schönen und also auch auf die Autorität von Kunstwerken stützen, 
deren hoher Rang allgemein anerkannt ist. Es giebt eine Reihe solcher 
Werke aus verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Meistern, 
welche uns den Eindruck machen, als seien die darin nachgeahmten 
Gegenstände stilisiert. Allein wir haben ausreichend dargethan, in 
welchem Verhältnis zur naturalistischen Darstellung nicht minder das 
subjektive Ideal der Künstler bezw. ganzer Epochen der Kunstge- 
schichte steht, wie der Materialstil. Wenn aber aus dem ersteren die 
stilisierte Erscheinung erklärt werden kann, dann ist sicher, dass keine 
willkürliche Stilisierung vorliegt, dass also auch für das Erfordernis 
derselben keine Autorität beigebracht ist. Massenhaft stehen in der 
dass der Gegen- 
wenn nur unser 
I) Vergl. Schiller a. a. 0.: "Übrigens ist es gar nicht nötig, 
stand, an dem wir den schönen Schein finden, ohne Realität sei, 
Urteil darüber auf diese Realität keine Rücksicht nimmt."
        

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