Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374824
VORWORT. 
Darlegung von Gesetzen des künstlerischen Verfahrens; denn man 
verlangt gleichfalls von ihr, dass sie die prinzipiellen Grundlagen für 
die kritische Beurteilung der Kunstwerke liefere, und- eine solche ist 
ohne genaue Kenntnis jener Gesetze nicht denkbar. Daher muss sie 
sich unumgänglich mit einer Reihe von Untersuchungen befassen, bei 
welchen die Metaphysik nicht Beteiligt ist. Dieselbe hat z. B. mit 
der Lehre von der eigentümlichen Wirkungsart der verschiedenen 
Formen des Darsfellens gar nichts zu schaffen, durch deren Unter- 
suchung Lessing für die moderne Ästhetik grundlegend gewesen ist, 
gleichviel, 0b wir seine Resultate heute noch für zutreffend ansehen, 
oder nicht. Dadurch, dass sie über sich hinausweist auf höhere Ziele 
der Erkenntnis, unterscheidet sich die Ästhetik nicht von anderen 
Wissenschaften, welchen wir eine abgeschlossene Sonderexistenz zu- 
gestehen. Wenn man sie daher nur insoweit Wissenschaft nennt, als 
sie sich mit philosophischer Spekulation befasst, so bedeutet dies. in 
der That ungefähr dasselbe, wie wenn wir zwar der Rechtsphilosophie, 
aber nicht der Jurisprudenz, zwar der Naturphilosophie, aber nicht der 
Medizin diese ehrenvolle Bezeichnung beilegen wollten. Im Ganzen 
genommen sind wir ja heute gerade entgegengesetzter Auffassung. 
Jedenfalls ist v. Hartmann nicht minder im Unrecht, wenn er in diesem 
Sinn zwischen "wissenschaftlicher" und "Popularästhetik" unterscheidet, 
als es Fechner bei seiner von jenem bekämpften Unterscheidung 
zwischen einer „oberen"vund "unteren" Ästhetik war. 
Wenn v. Hartmann Männer wie Lessing und Rumohr als Popu- 
Farästhetiker bei Seite stellt, so berechtigt dieser Umstand dazu, den 
Arbeiten dieser Sachverständigen Männer die philosophische Ästhetik 
unseresjahrhunderts als eine eigentümliche Erscheinung entgegenzusetzen. 
Man wird schon nicht mehr im Zweifel darüber sein, dass ich die 
Leistungen dieser für die wertvolleren ansehe. Gewiss enthalten auch 
die Werke der neueren philosophischen Ästhetiker vieles richtige und 
nützliche. Indessen verdanken wir dies mehr einer teilweise vorhan- 
denen künstlerischen Veranlagung und praktisch-ästhetischen Erfahrung 
derselben, als ihrer spekulativen Thätigkeit. 
Wenn ich in der Folge nach dem Vorgang v. Hartmanns bis- 
weilen den Ausdruck „philosophische Ästhetik" gebrauche, so thue 
ich dies, weil ich glaube, dass er jene historische Erscheinung immer 
noch am besten bezeichnetnweiss aber sehr wohl, inwiefern er ein 
unrichtiger ist. Ich darf dabei umsomehr hoffen, nicht missverstan-
        

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