Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375628
NACHAHMUN G 
UND 
STIL ; 
MEISTERSCHAFT; 
KLASSIZITÄT. 
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vidualitäten beeinflusst wird. Allein innerhalb des durch den Werkstoff 
bedingten F ormprinzipes kann sich die künstlerische Individualität noch 
äussern in einer für die Prozedur nicht wesentlichen Art, das 
Werkzeug zu gebrauchen, indem die hierdurch hervorgerufenen be- 
sonderen Erscheinungen, obgleich auf technischem Gebiet stattiindend, 
dennoch technisch gleichgültig sind. Derart ist die handliche Führung 
des Pinsels in der Malerei, der Nadel in der Radierung, des Bleistifts 
bei der Zeichnung, des Meisels bei der Bildhauerei. Eine zwingende 
Technik giebt es in dieser Richtung überhaupt nicht; daher ist es nur 
natürlich, dass hier die Eigentümlichkeit der künstlerischen Individuen 
sich am auffallendsten und verschiedenartigsten äussert und dass in- 
folgedessen die Bezeichnung für die bleibend gleichartige Darstellungs- 
weise eines Subjekts überhaupt von ihrer Erscheinung hergenommen 
worden ist: das Wort "Stil" bezeichnet ursprünglich das Schreibwerk- 
zeug, und derselbe Begriff wurde im Italienischen durch den Ausdruck 
maniera (Handhabung, Manier) gegeben. Hier handelt es sich also um 
subjektiven Stil, welcher auf technischem Gebiete erscheint. 
Man könnte die Rurnohfsche Definition auch so verstehen, dass durch 
dieselbe bereits die Art und Weise bezeichnet wäre, in welcher ein 
Subjekt sich in die Forderungen des Bildstoffs zu fügen pflegt; allein 
dann würde sie ihr eigentliches Verdienst, die klare Bestimmung des 
Wertes der rein objektiven Technik, einbüssen, und so ist sie auch von 
ihrem Urheber nicht gemeint. Die Manier hat wesentlichen Einfluss 
auf die Naturnachahmung. Die besondere Führung des Werkzeugs, 
welche auf der blossen anatomischen Beschaffenheit der Hand des 
Künstlers, aber auch auf Auffassung oder auf Willkür beruhen kann, 
modifiziert nämlich, zunächst in unendlich kleinen Teilen, die Form 
des dargestellten Gegenstands; und diese Modifikation kann so be- 
deutend werden, dass sie mit dem ldentitätsgesetz in Widerspruch tritt. 
Dann wurde aber nicht die Technik verändert, sondern der Gegenstand 
durch eine allerdings technische Eigentümlichkeit. Es ist sehr wichtig, 
sich dies klar zu machen. Denn daraus folgt, dass die "Manier" eine 
völlig subjektiv und in keiner Weise objektiv bedingte Erscheinung ist 
und insofern eine der Technik entgegengesetzte Bedeutung hat. I) 
Damit haben wir die verschiedenen Erscheinungsformen eines Stils 
I) Hieraus rechtfertigt sich, dass wir die Manier nicht im Anschluss an den 
objektiven Stil, sondern erst an dieser Stelle behandelt haben. Es folgt ferner, dass 
es unrichtig ist, wenn Vischer (a. a. O. 3 527) behauptet, man werfe, wenn man her. 
kömmlich zwischen objektivem und subjektivem Stil unterscheide, den Stil zur blossen 
Manier zurück. Denn der Materialstil ist nicht Manier.
        

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