Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375607
NACHAHMUN G 
UND 
STIL ; 
MEISTERSCHAFT; 
KLASSIZITÄT. 
sie dagegen die Wirkung eines sehr deutlich ausgeprägten höchst sub- 
jektiven Ideals bekundet. Man sollte deshalb nicht von einem stärkeren 
Realismus dieser Epoche sprechen, ohne dabei zu erörtern, in welchem 
aufhebenden Verhältnis jenes Ideal zu demselben steht. Denn im 
Ganzen genommen macht es die von ihm beeinflussten Kunstwerke 
trotz ihrer realistischen Tendenz für die natürliche Empfindung un- 
geniessbar, wie es bei den Werken des I3. Jahrhunderts keineswegs 
der Fall ist. I) 
 Wir haben schon angedeutet, dass, während alle Teile eines Bilds 
I) Lübke unterscheidet nach der byzantinisch-ronianischen Epoche der Bildnerei 
zwischen einer Bildnerei der frühgotischen (von 1200 bis 1300), der spätgotischen 
(1300 bis 1450) und einer nicht näher bezeichneten Epoche von 1450 bis 1550. Das 
ist die einfache Übertragung von in der Architekturgeschichte angenommenen und 
dort begründeten Zeitabschnitten auf die Plastik. Wilh. Bode (Deutsche Kunstge- 
schichte, Berlin 1885, Plastik) unterscheidet dagegen eine „erste Blüte im 13. Jahr- 
hundert," "die Plastik im Dienste der gotischen Baukunst" (1275 bis 1450) und die 
Epoche von 1450 an. Ohne der Entscheidung der Kunsthistoriker vergreifen zu 
Wollen, möchte ich darauf hinweisen, dass, wenn nach dem im Text dargelegten 
Gesichtspunkt die Entwicklung der Architektur derjenigen der Plastik vorangehen 
musste, das charakteristische Wesen der verschiedenen Epochen der letzteren Kunst 
dies bestätigt. Demnach wäre in der Zeit von 1200 bis 1300, während welcher bereits 
die gotische Baumode aus Frankreich in Deutschland eindrang, der Höhepunkt der 
romanischen Periode der deutschen Bildnerei zu suchen. Diese Plastik ist noch der 
Antike verwandt, wie es auch die romanische Architektur war. Der Unterschied 
zwischen den Werken des 13. Jahrhunderts und den. darauf folgenden ist weniger 
sinnfällig, als derjenige zwischen jenen XVerken und den nach 1450 geschaffenen. 
Diese letzteren aber zeigen eine höchst charakteristische Formemptindung, welche 
besonders bei der Gewandbehandlung hervortritt und welche man bei ihrer Ver- 
wandtschaft mit den entsprechenden Architekturformen als gotische bezeichnen muss. 
Der Zusammenhang mit der Antike hat hier yöllig aufgehört, wie wir dies im Text 
dargestellt haben. Wenn nun auch schon von 1450 an sich die Einflüsse der Re- 
naissance und des Humanismus geltend machen, wenn sodann Peter Vischer die 
Schnörkelhaftigkeit seiner Zeitgenossen und Vorläufer in einem Grade überwunden 
hat, dass seine Werke weit mehr denjenigen des 13. Jahrhunderts als den WVerken der 
letzteren verwandt erscheinen, so finde ich darin doch nichts der Auffassung wider- 
sprechendes, dass wir in derselben Epoche auch den Auslauf der gotischen Bildnerei 
zu suchen haben. Die Werke Michael Wohlgemuths, Tilman Riemenschneiders be- 
stätigen dieselbe gewiss. Es ist naturgemäss, dass sich die Stileigentümlichkeiten 
der Plastik, wenngleich wesentlich beeiniiusst durch die Entwicklung der Architektur, 
doch nicht so bestimmt und deutlich geltend machten, wie bei dieser Kunst. Wenn 
Bode um 14.50 eine Befreiung der Plastik von der Oberherrschaft der Architektur an- 
nimmt, so wird dies gewiss richtig sein. Aber-daraus entsprang keine Änderung der 
Empfmdungswveise, welche doch eigentlich die kunstgeschichtlichen Epochen bedingt. 
Hiernach wäre wie folgt einzuteilen: Bis 1300 n. Chr. romanische, von da bis 1550 
gotische, von 1507 an (Sebaldusgrab) Renaissance-Bildnerei.
        

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