Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375569
NACHAHMUNG 
UND 
STIL; 
MEISTERSCHAFT; 
KLASSIZITÄT. 
Gegenstand eigenthümlich ist. In einem solchen Fall bietet die wirk- 
liche (nachahmende) Materie keinerlei Hemmnis der Darstellung. 
Solche Stoffe sind 2. B. der Marmor für die polychrome Skulptur, 
wenigstens annähernd, vor allen aber die unkörperlichen Farben und 
in höchster Vollkommenheit die Ölfarbe. Wenn dagegen kein solches 
Material, sondern ein weniger zweckmässiges benützt wird, so tritt bei 
adäquater Anwendung des Werkzeugs auf denselben, bei einer technisch 
richtigen Procedur, eine eigentümliche Veränderung an dem beabsich- 
tigten Bild ein, welche sich über das ganze Material, also in den meisten 
Fällen auch über das ganze Bild, erstreckt. Die wahrhaftige Prozedur 
kommt also in Widerspruch mit der Naturwahrheit der Erscheinung, 
und wir haben den Effekt einer Stilisierung. Dass dieser Effekt im 
allgemeinen durchaus nicht beabsichtigt wird, geht schon daraus hervor, 
dass die vollkommeneren Bildstoffe den weniger zweckmässigen durchweg 
vorgezogen werden und zu allen Zeiten vorgezogen worden sind.  
Die Bedeutung des Materialstils für die Formensprache der technischen 
Kunstwerke theoretisch zuerst dargelegt zu haben, ist das Verdienst 
Gottfried Sempers. Vorher hatte Carl Friedrichiv. Rumohr!) 
den Stil an den nachahmenden Kunstwerken bezeichnet als "ein zur 
Gewohnheit gediehenes Sich-Fügen in die inneren Forderungen des 
Stoffes, in welchem der Bildner seine Gestalten wirklich bildet, der 
Maler sie erscheinen macht." 
Das Gesetz der Wahrhaftigkeit der Prozedur steht in Widerspruch 
mit dem Identitätsgesetz und mit dem Naturalismus. Es ist ursprünglich 
kein ästhetisches, sondern ein praktisches. Allein über ein praktisches, 
eminent reales und zwingendes Gesetz kommt man eben nicht hinaus, 
und so erlangt dasselbe jenem andern gegenüber eine ausschliessende 
Gültigkeit. Wir ertragen jedoch den objektiven Widerspruch deshalb, 
weil wir wissen und wissen müssen, dass das Bild nur ein Bild ist. 
Und dadurch erhält er andrerseits erst seine Berechtigung, seine ästhe- 
tische Begründung. Der Materialstil ist negatives Moment gleich 
der nicht objektiv bedingten Stilisierung, wenn er die nachgeahmte Er- 
scheinung im Bilde alteriert. Diese aus dem Werkstoff hervorgegangene 
Stilisierung ist aber die ursprünglichste und eigentlich naturgemässe, 
denn sie thut die Eigenschaft des Bilds als Kunsterzeugnis im Gegensatz 
zu dem nachgeahmten Naturprodukt in dem Stoff des ersteren selbst dar. 
Die subjektive Ursache eines Stils ist der Künstler, dieser aber 
in verschiedener Weise. Erstens nimmt er bisweilen eine absicht- 
liche Stilisierung yor, welche aus dem eben berührten höheren 
Forschungen", Berlin 
I) "Italienische 
1827, I
        

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