Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374812
VORWORT. 
Darlegungen und Hinweise einen mächtigen Faktor bilden. Die Mög- 
lichkeit eines praktischen Erfolges ästhetischer Untersuchungen steht _ 
also ausser Zweifel, sosehr sie auch mitunter bestritten wird. Dagegen 
ist einleuchtend, dass man mit dialektischen Kunststücken über die 
Antinomie des Geschmacks nicht hinwegkomrnt und dass dieselbe 
durch eine fortgesetzte Berücksichtigung ihres Bestehens ebenfalls nicht 
aufgehoben wird. So haben denn gerade solche kunstwissenschaftliche 
Werke, welche von transscendentalen Erwägungen ganz unberührt 
geblieben sind, wie diejenigen des Aristoteles und Lessings, den 
grössten, dauernden Erfolg gehabt. NVenn ich daher in den folgen- 
den Blättern den Versuch wage, einige ästhetische Fragen zu beant- 
worten, welche in letzter Zeit brennend geworden sind, so glaube ich 
bei voller Einsicht in die prekäre Beschaffenheit der zu erzielenden 
Resultate ganz so verfahren zu dürfen, als wenn die Antinomie des 
Geschmacks gar nicht bestände, und allen Erfolg nur von der Rich- 
tigkeit meiner Ausführungen erwarten zu müssen. Die Ästhetik muss 
nach wie vor Allgemeingültigkeit ihrer Gesetze behaupten, wenn sie 
sich nicht selbst aufgeben will. 
Als die vorliegende Arbeit der Vollendung nahe war, erschien 
der „Erste historisch-kritische Teil der Ästhetik" Eduard von Hart- 
manns. Derselbe unterscheidet zwischen einer "wissenschaftlichen" 
und einer "Popular-Ästhetik". Wissenschaftliche Ästhetiker nennt er 
diejenigen, welche etwa die Metaphysik des Schönen zum hauptsäch- 
lichsten Gegenstand ihrer Untersuchungen und die Resultate der kriti- 
schen Philosophie zu deren Ausgangspunkt gemacht haben; zu den 
Popularästhetikern zählt er Männer wie Lessing; Rumohr oder Semper 
kennt er nicht, indem er überhaupt die "Kunstlehre" als nebensäch- 
lich oder unwissenschaftlich behandelt. Ich glaube dieser Klassifikation 
entgegenzutreten zu sollen. 
"l Niemand kann leugnen, dass die Ästhetik metaphysische Probleme 
bietet und dass sie gewisse Begriffe braucht, welche die Philosophie 
entwickelt hat. Allein ebensowenig wird man die Theorie der Künste 
oder Kunstlehre von ihr ausschliessen können. Wenn die Ästhetik 
überhaupt den Nachweis der Ursachen einer schönen Wirkung führt, 
so ist damit notwendig auch angegeben, durch welche Mittel auf eine 
solche Wirkung zweckmässig hingearbeitet wird; dies ist aber Kunst- 
lehre. Die schöpferische Phantasie kann und soll dadurch nicht ersetzt 
werden. Mit Recht erwartet man allgemein von der Ästhetik eine
        

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