Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375514
DIE scnönnßrr. 
nation noch unter dasjenige der gleichmässigen Verteilung bringen lassen 
und dennoch schön sind. Daraus folgt, dass wir es hier zwar mit 
einer sehr brauchbaren logischen Einteilung, aber nicht mit einem 
Schönheitsgesetz zu thun haben. 
 Wird das Prinzip der Einstimmigkeit der gewählten Farben in 
der Weise zur Anwendung gebracht, dass nur verschiedene Helligkeits- 
und Sättigungsgrade derselben Farbe zusammengestellt werden, so 
spricht man von Isochromie. Es seien z. B. an einer Wandfläche 
hellblaue und dunkelblaue Felder gleichmässig verteilt. Die Zusammen- 
stellung kleiner Intervalle nennt Brücke Homöochromie. Die Iso- 
chromie wird natürlich durch Neutra (Grau, Gold etc.) nicht gestört. 
Auch wird nur ihr Begriff, aber nicht etwa die sinnliche Schönempfindung 
zerstört, wenn passende andere Farben in beschränkter Quantität mit- 
verwendet werden; z. B. rote Streifen in einem verschieden blau de- 
korirten Zimmer. 
Die Ausbreitung eines bestimmten gemeinschaftlichen F arbentones 
über eine vielfarbige Komposition ist von Brücke "Merochromie" 
genannt worden. Ich halte diese Erscheinung für ästhetisch von hoher 
Wichtigkeit, und glaube, dass sie, namentlich bei Weiteren Fort- 
schritten der Physik, vielleicht einmal geeignet sein wird, die schwierig- 
sten Probleme der F arbenzusammenstellung zu erklären. Man versteht 
also darunter ein derartiges Verhalten mehrerer Farben, dass sie einen 
Grundton gemeinsam haben, wie z. B. das Graugelb der F ayencen. Durch 
die Wirkung des gemeinsamen F arbentones stimmen die verschiedenen 
Farben zusammen, während dies ohne denselben nicht oder möglicher- 
weise nicht der Fall wäre. Natürlich handeltes sich auch hier immer 
nur um Farbe, nicht um Pigmente. Doch kann die Merochromie durch 
eine bestimmte Anwendung von Pigmenten, nämlich durch Lasur, er- 
zeugt werden. Z. B. sei ein Tuch rot und blauviolett gemustert; 
man füge zu beiden Farben zunehmend die gleiche Menge gelber 
Strahlen, so wird die Zusammenstellung allmählich in das Gebiet von 
dunkel Orange und Blau eintreten, unter übrigens ganz verschiedener 
Proportion der Wirkung des Gelb in jeder einzelnen Farbe. Mög- 
licherweise beruht die Schönheit vieler orientalischer Teppiche lediglich 
auf der unverwüstlichen Patina des goldgelben Schmutzes, mit welchem 
das Alter sie bedeckt hat, Während sie ursprünglich vielleicht unleid- 
lich bunt und ganz hässlich waren. Der gelbe Firniss alter Ölbilder 
gehört gleichfalls hierher; vor allem aber die Färbung eines schon 
selbst farbigen Stoffes, wie z. B. von Leder, wo die Farbe dieses 
letzteren eine gemeinsame durchwirkende Basis für alle darüber ge-
        

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