Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375462
DIE EINZELNEN ERSCHEINUNGSFORMEN DER FORMELLEN SCHÖNHEIT. 
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Bezüglich des Kontrastes der Farben muss noch festgestellt werden, 
dass er sich in verschiedener Weise äussern kann; je nachdem sie 
gleichzeitig oder nacheinander erblickt werden, entsteht der „simul- 
tane" (gleichzeitige) und der "successive" (nachträgliche, 
nachwirkende) Kontrast. In beiden Beziehungen äussert sich das 
gleiche Prinzip, welches Brücke (a. a. O. S. 146) in die Worte fasst: 
"Unsere Urteile sind koxnparativ und der Nullpunkt unserer Eindrücke 
verschiebt sich, sobald uns ein Eindruck trifft, dem nicht sein Gegen- 
satz, um ihm das Gleichgewicht zu halten, gegenübersteht." Die 
Farbengegensätze aber bewegen sich auf dem Gebiet der Komple- 
rnentarität. Grau wird also durch daneben liegendes Grün rötlich, durch 
Rot blaugrünlich gefärbt; ebenso erscheint, wenn das Auge zuerst auf 
eine rote, dann auf eine neutral graue oder weisse Fläche sieht, die 
letztere grünlich. Derselbe Vorgang findet nun aber auch bei zwei 
zusammengestellten Farben statt: sie beeinflussen sich gegenseitig in 
der Richtung auf die Komplementarität zu. Was neben Gelborange 
als Blau erscheint, das erhält neben Grüngelb eine kleine Tönung in's 
Violette und neben Rot im Gegenteil eine Tönung nach dem grün- 
lichen Blau zu. Indessen sind diese Einflüsse nicht sehr stark. Das 
Verhältnis der Intensität beider Farben und die Zumischung von" 
weissem Licht spielt dabei eine ziemliche Rolle. Überdies kommen 
auch ausgleichende Wirkungen vor, wenn nämlich die Farbenllächen 
klein genug sind, dass sich die Farben auf der Netzhaut des Auges 
mischen z. B. bei rotgetupften Kleidern mit blauem Grunde, wo das 
Blau in Violett, mit schwarzem, wo das Schwarz in Braun gezogen 
wirdf) Für die kosmische bildende Kunst ist es gleichgültig, inwiefern 
Der Farbeneindruck, den eine gewisse Quantität x beliebig ge- 
mischten Lichtes macht, kann stets auch hervorgebracht werden durch 
Mischung einer gewissen Quantität a weissen Lichtes und einer ge- 
wissen Quantität b einer gesättigten Farbe (Spektralfarbe oder Purpur) 
von bestimmtem Farbentone. Es kommt also auf den Farbeneindruck an, der 
ausser Grau noch vorhanden ist und hieraus bestimmt sich die Komplementarität. 
Gelbe und rötliche Tinten von geringer Lichtstärke bei verschiedener Sättigung 
nennen wir braun. (Brücke a. a. O. S. 33 Z. 10). Hirth ist (a. a. O. S. Ioo Anm.) 
anderer Ansicht; aber mir scheinen durch jenen Satz alle möglichen Kombinationen 
erklärt zu sein, auch die "komplizierten Charaktere" des Spektrums. 
I) Berücksichtigt man attsserdem das Auftreten von Reliexen, so ergiebt sich, 
dass es sehr misslich ist, aus dem physiologischen Gesetz eine Regel etwa für das 
Verhältnis der menschlichen Gesichtsfarben zur Kleidung zu machen: ein rotes Kleid 
wird einem blassen Gesicht meist dienlicher sein, als ein blaugrünes. Allerdings 
kann man durch eine intensiv rote oder orangefarbene Umgebung einem roten Ge- 
sicht auch zu einiger Blässe verhelfen-
        

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