Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375365
DIE EINZELNEN ERSCHEINUNGSFORMEN DER FORMELLEN SCHÖNHEIT. 
Auch im Falle, dass das rhythmische Band in seiner Totalität nicht 
überschaut werden kann, supponiert man die Endlosigkeit doch. So 
fasst man die Peripherie eines Gebäudes durch rhythmische Bänder 
zusammen, wie z. B. durch einen F ries mit MeereswellenI) (wobei das 
rhythmische Glied auch in sich selbst bewegt erscheint) oder durch 
den Triglyphenfries (wo dieses nicht der Fall ist). Bei ihrem Auf- 
treten darf die Reihung nirgends in Abmessungen oder Formen ge- 
stört werden, und nur insofern ist sie formelles Gesetz. Will man das 
Verhältnis der rhythmischen Reihung zu der Symmetrie in einem Schema 
versinnlichen, so würde jener das Schema  dieser das 
Schema abba oder abccba entsprechen.  Aus der begrifflichen Natur 
der Reihung folgt ein Gesetz der durchgehend gleichen Verzierung 
horizontaler Bänder. Es folgt ferner, dass in korrektester Verwendung 
diejenigen Reihen, welche eine Richtung zeigen, einseitig 
und gleich gerichtet sein sollen. Eine symmetrische Divergenz 
oder Konvergenz zu einem Mittelpunkte verliert an symbolischem Ge- 
halt, gewährt jedoch die formelle Annehmlichkeit der Symmetrie. 
Rhythmische Reihen sind z. B. F riesverzierungen, Ballustraden, Säulen- 
ordnungen, F enstersysteme, die (verzierten) Uberfälzungen der Dielen 
einer Vertäfelung u. s. w. 
Notwendig wird das Auftreten einer rhythmischen Reihe immer 
nur, wenn der Begriff des Bindens und Zusammenhaltens, welchen sie 
zu versinnlichen vermag, gegeben ist. jedoch können Reihen in be- 
liebiger Anzahl und bei den verschiedensten Gelegenheiten als bloss 
formale Elemente zur Verwendung gelangen, ohne dass jener Zweck 
vorliegt. 
I) Bricht man die Meereswellen (den sog. "laufenden Hund", laufenden Delphin) 
in's Viereck, so entsteht der Mäander. Die Entstehung ist aus der textilen Technik 
zu erklären. 
2) Die einzelnen Glieder können, statt selbst fortlaufend, auch in sich symmetrisch 
Sein, z. B. die Eier des Eierstabs, nach dem Schema a b a, aba, ab a    oder sie 
können alternieren, wie beim Perlstab, nach dem Schema a. b, a b, ab,       (Wechsel- 
reihung) oder eine Reihe kann einer anderen subordiniert werden, wie z. B. bei 
Balustraden (Schema a a b, aab aab     ; oder auch bei Säulen- und Pfeilerstellungen. 
In den Fällen letzterer Art spricht man von Intersekanz. Der romanische Bau- 
Stil hat in seinen Säulen- und Pfeilerstellungen dieses Motiv vorzüglich ausgebildet. 
Endlich können solche Glieder, welche gewöhnlich in rhythmischer Reihung ver- 
wendet werden und hiezu geschaffen sind, auch in symmetrischer Verwendung auf- 
treten; wenn sie eine Richtung haben, wie die Meereswelle, so werden zwei Hälften 
entgegengesetzt gerichtet und ist ein Abschluss an den Enden erfordert, z. B. bei 
der Verwendung der Meereswelle an einem Fenstersims. 
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