Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375337
m12 SCHÖNHEIT. 
Sie kann aber ohne einen sie bedingenden Begriff nicht ge- 
fordert werden; sie fordert nur ihrerseits die tadellose Gleichheit 
der beiden Hälften, und darin erschöpft sich ihre Eigenschaft 
als Erscheinung der formellen Schönheit. jener Begriff ist der- 
jenige der Einheit, welchen sie vermöge der Wechselbeziehung der 
beiden Hälften um die in der Mitte liegende Achse versinnlicht. Es 
giebt aber auch andere Mittel zu diesem Zweck, welche wir 
nachher kennen lernen werden. 
Ist ein symmetrischer Gegenstand, als Fläche angeschaut, derart 
beschaffen, dass er objektiv eine beliebige Drehung zulässt, also nicht, 
wie z. B. das Haus, ein Oben und Unten besitzt, so ist die Folge, 
dass die Symmetrieachse und das aufrechte ("leserechte") Anschauen 
auseinanderfallen können. Das einzige, was fest bleibt, ist der Mittel- 
punkt der Grundlinie der symmetrischen Erscheinung. Wenn also ein 
symmetrischer Eindruck erhalten bleiben soll, so müssen kleinere sym- 
metrische Bildungen in grösserer Anzahl um einen Mittelpunkt gelegt 
werden, wie es bei Schneekrystallen der Fall ist, und diese Form ist 
zur Schönheit erfordert bei allen denjenigen Erscheinungen auf hori- 
zontaler Fläche, welche, wie z. B. die Verzierungen eines Bodenteppichs, 
von jeder beliebigen Seite zur Betrachtung gelangen. Man kann hier 
von allseitiger Symmetrie sprechenß) Die Blume, welche die 
Pflanze krönt und von oben betrachtet wird, folgt meistens diesem 
Gesetze. Die ihm unterworfenen Erscheinungen lassen sich stets in 
ein Polygon oder einen Kreis fassen und sind dadurch zugleich all- 
seitig gerichtet bezw. richtungslos. 
Hier ist der Punkt, wo die Raumkomposition mit der Symmetrie 
zusammenhängt. Die richtungslose Fläche äussert ihre Symmetrie nur 
durch ein allgemeines Gleichgewicht ihrer Teile. Bei centralisierter 
Raumkomposition tritt dagegen die Symmetrie in die unmittelbare 
sinnliche Erscheinung. 
Massensubordination 
malerische Schönheit der Gebäude. 
und 
Die Symmetrie giebt durch die Wechselbeziehung zweier Hälften 
der Einheit der Gebäude einen formellen Ausdruck. Allein ihre 
Einheit und Zusammengehörigkeit folgt auch ohnedies aus der Ab- 
1) Wahrhaft allseitige Symmetrie wäre eigentlich erst diejenige des Kreises. 
Der praktische Gebrauch scheint mir jedoch die Bezeichnung auch für das Polygon 
zu rechtfertigen. Mathematisch korrekter nennt A. Göller diese Form "vielachsige 
Symmetrie."
        

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