Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375320
DIE EINZELNEN ERSCHEINUNGSFORMEN DER FORMELLEN SCHÖNI-IEIT. 
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formeller Erscheinungen auftritt und auch von Ästhetikern mit den- 
selben aufgeführt worden ist (so von Semper). Die Richtung vorn 
Centrum nach aussen bezeichnet die Abweisung des aussen Befind- 
lichen, das F ürsichbestehen des Gegenstandes, z. B. bei der Säulen- 
kannelur (im Horizontalschnitt der Säule betrachtet), beim Quasten- 
saum eines Teppichs. I) Bilder an einer Wand wird man nicht so 
aufhängen dürfen, dass dadurch das Gefühl einer aufwärts strebenden 
Richtung entsteht; ein durch ihre Zusammenstellung im Raum be- 
dingtes Dreieck wird vielmehr mit der Spitze nach unten zeigen 
müssen, denn hier liegt der Begriff des Hängens zu Grunde. 
Das Gesetz der Komposition in den Raum beschränkt sich in 
seiner Anwendung naturgemäss auf die Verzierung von gegebenen 
Räumen, deren Vorhandensein und Form auf beliebigen äusseren 
Gründen beruhen kann. Auf die Komposition von Tafelbildern darf 
aus dem Gesetz kein unbedingter Schluss gezogen werden. Anders, 
wenn die Bilder in einem uns bewussten Abhängigkeitsverhältnis zur 
Architektur stehen: dann bestimmt der architektonische Raum als 
solcher die Komposition wie bei jeder anderen Verzierung; nur ist 
zu beachten, dass es dabei nicht lediglich auf die Konture, sondern 
auch auf die Lichtwerte der Farben u. dergl. ankommt, so dass sich 
ganz bestimmte Regeln nicht geben lassen. Als klassischste Beispiele 
der Komposition freier Bilder in gegebene Räume lassen sich neben 
den Metopen- und Giebelkompositionen des Phidias die Schöpfungen 
Rafaels in der Farnesina anführen. 
Die Komposition in den Raum ist zu betrachten als eine allge- 
meinere Äusserung der Symmetrie. 
Symmetrie. 
Die Symmetrie besteht darin, dass die nebeneinanderliegenden 
Hälften eines aufrecht angeschauten Gegenstandes sich wechselseitig 
verhalten wie Spiegelbilder. Die Annehmlichkeit der Symmetrie mag 
vielleicht damit zusammenhängen, dass das menschliche Gehirn und 
Gesicht selbst von symmetrischer, zweifacher Bildung ist und die gleiche 
Verfassung einer vorliegenden Erscheinung als wohlthuend empfindet. 
T) Die Bündelung, die Umkehrung der Kannelur, bedingt genau die entgegen- 
gesetzte Empfindung des Aneinanderschmiegens einer Mehrheit von aussen nach 
innen. Sie erfordert eigentlich ein das Bündel zusammenhaltendes Band. Die 
Starrheit und die Gemeinsamkeit der BaSiS thut jedoch z. B. beim gothischen Bündel- 
pfeiler denselben Dienst, soweit es nötig ist. Man erinnere sich an die Fascien der 
römischen Liktoren.
        

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