Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375316
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n. DIE SCHÖNHEIT. 
Linien in einer Erscheinung von Naturgegenständen, weil erstere die 
einheitlichen Linien, welchen das Auge folgt, zerbrechen, letztere das 
Bild zerschneiden. Beim Wegfallen dieser Wirkungen sind sie also 
auch zulässig. Eine einzelne Linie, welche erscheint, kann allmählich 
die Form und das Prinzip, welches ihrer Bewegung ursprünglich zu 
Grunde lag, ganz verändern; aber sie kann es nicht plötzlich und 
sprungweise, ohne das Auge zu beleidigen. 
Raumkomposition. 
Liegt dem Auge ein bestimmter geometrischer Raum vor, so er- 
giebt sich schon aus dieser Thatsache das für seine Erfüllung mit 
kleineren Erscheinungen massgebende Gesetz: Der Raum muss in 
seiner gegebenen Form erhalten bleiben, dieselbe darf nicht durch 
hinzutretende Erscheinungen gestört werden. Der Forderung wird in 
einfachster Weise genügt, wenn der Raum in allen Teilen gleich- 
mässig angefüllt ist. Dies ist die allgemeinste Erscheinung des 
Gesetzes der Komposition in den Raum. Eine ungleichmässige 
Komposition würde im Umriss des eingeordneten Gegenstandes einen 
neuen Raum schaffen, der mit dem ursprünglich gegebenen zusammen 
ordnungslose Lücken hervorbringen und die zu Grunde liegende Ein- 
heit zerstören würde. Ein Raum erscheint bei vollkommener Er- 
füllung desselben als richtungslose Fläche. Die Komposition in 
den Raum kann aber auch eine weniger einfache, eine zentralisierte 
sein. Dabei muss die Achse oder das Centrum des ursprünglichen 
Raumes und dasjenige der raumerfüllenden Erscheinung stets zu- 
sammenfallen. Z. B. ein kleines Quadrat stehe in einem grösseren 
so, dass die Kreuzungspunkte der Diagonalen sich decken (wodurch 
die Konture parallel laufen); oder: das Centrum eines Kreises falle 
zusammen mit dem Kreuzungspunkt der Diagonalen eines Quadrates. 
Wird sodann der Kreis sternförmig gezackt, so erhebt sich zum ersten 
Mal das Gefühl einer in dem Raume thätigen Bewegung und einer 
Richtung derselben; dieselbe wird hier jedoch durch das gleichzeitige 
Bestehen ihrer Umkehrung wieder aufgehoben: Die Richtung liegt in 
der zu der Peripherie hin stattfindenden Bewegung der Zacken; aber 
eine solche kann auch umgekehrt, von aussen nach innen, verstanden 
werden. Die Notwendigkeit des Auftretens einer einseitig 
bestimmten Richtiung setzt stets einen ideellen Begriff vor- 
aus, welcher sie veranlasst. Und da ein weiteres Gesetz für sie nicht 
vorliegt, ist sie überhaupt keine Erscheinung der formellen Schönheit. 
Es empfiehlt sich jedoch, sie hier zu berühren, weil sie im Gefolge
        

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