Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375248
DAS SPEZIFISCH SCHÖNE DER EINZELNEN KUNSTARTEN. 
den ist",1) d. h. dass er den subjektiven Ausgleich, welcher in der 
Beurteilung des Unschönen als hässlich, des Unsittlichen als verwerf- 
lich oder in dessen Verzeihung enthalten ist, schon objektiv im Bilde 
selbst feststellt oder anregt. Dahin gehört der Humor. Indessen ist 
diese Wirkungsart doch nicht die ursprüngliche und natürliche; das 
eigentliche Ziel der Kunst bleibt vielmehr die objektive Herstellung 
des Schönen in der Totalanschauung des Kunstwerkes. 
DAS 
SPEZIFISCH SCHÖNE DER 
KUN STARTEN. 
EINZELNEN 
Man hat vielfach behauptet, dass jede Kunst ein Schönes für sich 
habe. 2) Es steht zu untersuchen, inwieweit dies richtig ist. 
Das Schöne der Malerei würde hiernach wohl gesehen werden 
müssen in der schönen F arbenzusammenstellung, dem schönen Kolorit; 
denn sie stellt Farberscheinuilgen dar, und Farbe ist ihr spezifisches 
Darstellungsmittel. Allein man versteht unter dem „malerisch Schönen" 
ausserdem schöne Massenproportion und Linienbewegung der auf einer 
Tafel zur Erscheinung gebrachten Gegenstände; denn dieser sinnliche 
Eindruck kommt bei Betrachtung eines Gemäldes gleichfalls unum- 
gänglich zustande. Man gelangt infolgedessen sogar dazu, als „male- 
risch schön" gerade solche Gegenstände zu bezeichnen, bei denen 
wesentlich nur die letztgenannten Faktoren der formellen Schönheit 
mitsprechen, nicht aber Farbe. So nennt man „malerisch schön" die 
nicht durch Symmetrie, sondern durch Massensubordination wohl- 
geordneten Gebäude. Eine solche Verfassung derselben kann aber 
hinwiederum gewiss nicht deshalb verworfen werden, weil jene Schön- 
heitsgesetze auch in der Malerei gelten oder weil wir den entsprechenden 
Eindruck "malerisch" nennen. Für die Skulptur gelten sie gleichfalls 
und sind sogar von höherer Bedeutung als für die Malerei, weil sie 
hier für jede Seite der Betrachtung ins Spiel kommen, während die 
Malerei nur auf einer einzigen Fläche wirkt, welche der Maler sich 
1) Die Ausführung Rumohrs, welcher diese ausgezeichnete Bemerkung ent- 
nommen ist (S. 155 a. a.  ist im Ganzen genommen nicht ebenso treffend. 
2) Dazu wurde mitunter noch die weitere Behauptung gefügt, dass eben dieses 
SChöne der Kunstart Gegenstand der Betrachtung sei. Man sieht sofort, dass es die 
Vereinigung verschiedener Künste in einem Kunstwerk ist, welche hievon betroffen 
Würde. Wir werden jedoch nur die erstere Behauptung zu erörtern haben, da. mit 
deren Verneinung die zweite von selbst wegfällt. 
        

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