Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375107
DIE AUS DER THATSACHE DER NACHAHMUNG FOLGENDEN KUNSTPRINZIPIEN. 
kenntnis der subjektiven Stile ist die vornehmste Aufgabe der Kunst- 
geschichte, weil sie allein zur wahren Erkenntnis des Kunstschaffens 
früherer Epochen und damit zur eigenen Freiheit gegenüber den Vor- 
bildern führen kann; aber sie ist nicht ästhetische Anschauung. Not- 
wendig muss ja die Idee des Schönen von einem künstlerischen Subjekt 
gefasst werden, und sie wird den Stempel von dessen Subjektivität 
auch in den meisten Fällen an sich tragen. Allein gerade weil wir 
subjektiv sind und bleiben müssen, kann die Idee in jedem Fall nur 
eine einzige sein und insoweit sie durch eine fremde Subjektivität 
modifiziert ist, weicht sie eben von der wahren Idee ab. Daher be- 
deutet auch die "intellektuelle Zusammenfassung des Schönen aller 
Zeiten und Völker" lediglich eine Kapitulation vor der subjektiven 
Natur des Schönen. Diese geschichtsphilosophische Auffassung, welche 
ein überaus fruchtbares Prinzip der wissenschaftlichen Forschung auf 
die ästhetische Anschauung überträgt, muss hier über kurz oder lang 
als Verkehrtheit erkannt werden. Hier kommt es allein darauf an, 
dass unsere Vorstellung mit der wahren Idee übereinstimme; aber 
wir können ihr nicht alle möglichen fremden Ideen gleichsetzen. Da- 
gegen können wir uns jedes fremde Schöne ohne Beeinträchtigung 
unserer Freiheit zu eigen machen, wenn wir uns seiner subjektiven 
Relation und der Relativität seines Wertes bewusst sind.
        

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