Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375096
DIE NACHAHMUNG. 
wirkliche Welt erheben. Denn die dem Idealismus entsprechende Er- 
zeugung schönerer und würdigerer Vorstellungen steht in engem Zu- 
sammenhang mit dem ideellen, irrealen Wesen der Kunst, insofern 
dieses die mechanische Bedingung für die Erzeugung schöner Vor- 
Stellungen ist. Dieselbe geht nämlich durch Zerteilungen undVereinigungen 
von Teilen der Erscheinungen der Wirklichkeit vor sich, welche mit 
den realen Dingen selbst nicht vorgenommen werden könnten?) Aus 
diesem Verhältnis folgt, dass die negative Wahrheit des Bildes eine 
umso höhere geistige Bedeutung erlangt, je mehr das ideelle Wesen 
der Kunst beim Zustandekommen des Gegenstandes desselben in Be- 
tracht kam, dass also zu den idealeren Gegenständen auch starker 
wirkende negative Momente passen. Die Tragödie fordert gebundene 
Rede und Musik als Ausdruck der Festlichkeit und Würde. Indessen 
sind gerade die realistischen blossen Nachahmungen wieder der Ver- 
wechslung mit der NVirklichkeit am meisten ausgesetzt, und hier be- 
stünde demnach umgekehrt ein vermehrtes Bedürfnis nach einer 
objektiven Andeutung der Nichtwirklichkeit. Ganz allgemein lässt sich 
aber beobachten, dass keineswegs die Neigung besteht, nachahmende 
Kunstwerke, insbesondere solche der bildenden Kunst, mit derartigen 
negativen Momenten auszustatten, welche, wie die Stilisierung, die 
natürliche Erscheinung selbst alterieren, sondern dass man sich mit 
neben dem Bild auftretenden Anzeichen, wie es der Rahmen für die 
Malerei ist, begnügt und im übrigen auf naturalistische Darstellung 
ausgeht. 
Die subjektiven Ideale der Künstler (oder ganzer Nationen und 
Zeitalter) können ihre Produktion in einer Weise beeinfiussen, dass 
dadurch die dargestellten Gegenstände als "stilisiert" erscheinen. Allein 
in den nachahmenden Künsten wird gefordert einfache, rein objektive 
Nachahmung der Natur, solange nicht eine objektive Veranlassung zur 
Stilisierung, solange nicht das Bedürfnis eines negativen Moments vor- 
liegt. Das Verhältnis der naturalistischen Darstellung zur stilisierten 
wird den Gegenstand einer besonderen Untersuchung bilden. Die Er- 
I) Schiller sagt (in dem angeführten Brief): Der Mensch als Künstler "kann, 
was die Natur trennte, zusammenfügen, sobald er es nur irgend zusammendenken 
kann, und trennen, was die Natur verknüpfte, sobald er es nur in seinem Verstande 
absondern kann."  "Dieses menschliche Herrscherrecht übt er aus" (im Bereich 
der nachahmenden Kunst) in der Kunst des Scheins"  d. h. er kann sie nur da- 
durch ausüben, dass die Kunst Schein ist  „in dem wesenlosen Reich der Ein- 
bildungskraft." Und dann verlangt Schiller, dieser Schein solle "aufrichtig" sein. Also 
war er ganz genau der im Text entwickelten Ansicht. Rumohr verwarf mit jeder 
Idealbildung auch diese Form derselben, welche ich jedoch in Rafaels Brief be- 
stätigt finde.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.