Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1375031
DIE NACH AHMUNG. 
realistischen Kraft des Ausdruckes, sondern eine andere Wahl des 
Gegenstandes zu erfolgen.  Bei der dargelegten Geltung der Prin- 
zipien des Realismus und des Idealismus lässt sich nun der Inhalt der 
Kunst in dem_ Satze zusammenfassen: Sie ahmt mögliche Er- 
scheinungen der wirklichen Welt nach behufs Erzeugung 
irgend eines Schöneni) 
Der Begriff des Idealismus ist seitens der philosophischen Ästhetik 
dadurch verwirrt worden, dass sie der geistigen Seite der Kunst, dem 
Gedankeninhalte der Kunstwerke, eine übertriebene Bedeutung bei- 
legte. Die Idealität eines Kunstwerkes ist jedoch immer Schönheit 
und keineswegs Gedankeninhalt; denn Gedanken sind an und für sich 
nichts schönes; die Schönheit ist der Gedanke der Kunst. Sie ist 
zwar auch ein Mittel, "die tiefsten Interessen des Menschen, die um- 
fassendsten Wahrheiten des Geistes zum Bewusstsein zu bringen und 
auszusprechen" (Hegel), aber sie thut dies, indem sie ihre Werke 
hinstellt wie Naturerscheinungen. Reflexionen kann sie, wenn sie ihrem 
Wesen treu bleiben will, nur dadurch aussprechen, dass sie dieselben 
in die Form von Nachahmungen kleidet, z. B. sie im Drama handelnden 
Personen in den Mund legt. Die Kraft und Tiefe eines ausgesprochenen 
Gedankens ist und bleibt natürlich auch im Kunstwerk ein Vorzug 
desselben. Allein es ist falsch, in der Gedankenhaftigkeit an und für 
sich einen Vorzug der Kunstwerke zu erblicken. Wenn man gar dahin 
gelangte, zu behaupten, jedes Kunstwerk müsse "symbolisch" oder, 
wie Friedrich Schlegel Wollte, als Allegorie aufgefasst werden, so war 
es sehr angemessen, dass v. Rumohr hiergegen auf das energischste 
Verwahrung einlegte?) Allein das blieb vorerst ohne Erfolg; die 
Verwechslung des Begriffes "ideal" : schön mit dem Begriffe "ideal" 
z gedankenvoll ist immer noch ebenso verbreitet, wie sie verhängnis- 
voll für die bildende Kunst gewesen istß) 
I) Hartmann tadelte (a. a. O. S. 246) die Bezeichnung "Real-Idealismus", welche 
Carriere für seinen Standpunkt gewählt hat und welche auch auf den unserigen 
passen würde, sehr mit Unrecht. Denn dieselbe nimmt den ästhetischen Standpunkt 
als identisch mit dem künstlerischen, sie bezeichnet künstlerische Tendenzen mit 
einem allgemein gebräuchlichen Ausdrucke. 
2) Verg], dessen „Ital. Forschungen" I S. 24: ullfenn irgend ein Purist versuchen 
Wollte, nach der Analogie für symbolische, kerbholzmässige Darstellung zu sagen, 
so dürfte diese nackte Sachlichkeit nicht denselben Reiz haben, als der dunkle viel- 
fach übertragene Sinn des Wortes Symbol". 
3) Aus dieser Verwechselung zum Teil ist es zu erklären, dass z. B. Hans Makart, 
ein Künstler, der in unserer Zeit den ästhetischen Idealismus VVOlIl am klarsten, in 
seiner begrifflich reinsten Form, verkörperte, bisweilen in ästhetischen Urteilen als 
unideal verdammt wurde. Er könnte möglicherweise für das ethische Urteil unideal
        

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