Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377417
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SCHLUSS. 
dieser Kunst. Die Bezeichnung "unfreie Künste" ist in der Hinsicht 
immer noch besser, als die Bezeichnung „dienende Künste"; aber 
sie verschleiert nur den Übelstand und sagt dafür nicht ebenso deutlich 
wie die letztere, was sie sagen will. Mag sich nun jeder die Einteilung 
wählen, welche ihm am besten gefällt, und die Bezeichnungen für die 
wesentliche Eigenschaft eines Kunstwerks aus der einen oder aus der 
anderen entnehmen, je nachdem sie das augenblickliche Bedürfnis 
fordert; wenn er nur weiss, um was es sich im einen und um was es 
sich im andern Falle noch handelt. Diejenigen beiden Fragen, welche 
den eigentlichen Gegenstand unserer Untersuchung bildeten, können 
nicht mit gleicher Klarheit beantwortet werden, wenn man von einem 
anderen als dem gewählten System ausgeht.  Künste von unterge- 
ordnetem Range, wie die „schöne Gartenkunst" oder das Ballet, in 
einem System zu berücksichtigen, hat geringen praktischen Wert; die 
Gesichtspunkte ihrer Beurteilung ergeben sich aus dem Wesen höherer 
Künste, mit welchen sie, wie die englische Gartenkunst mit der Land- 
schaftsmalerei und die Orchestik, insbes. der mimische Tanz, mit der 
Plastik, verwandt sind. Die Teppichgärtnerei arbeitet nach den Ge- 
setzen der formellen Ornamentik. 
Wenn man nun vielleicht finden mag, dass der Begriff der Nach- 
ahmung wegen seiner Mehrdeutigkeit als ein wissenschaftlich genügen- 
der Einteilungsgrund des Systems der Künste nicht betrachtet werden 
könne, so kann man darum doch das Bestehen eines ästhetischen 
Wohlgefallens an der wahren und vollkommen deutlichen Erschei- 
nung vorausgesetzter Vorstellungen nicht in Abrede stellen. Denn 
abgesehen davon, dass dieses Wohlgefallen durch eine tägliche Er- 
fahrung ausser Zweifel steht, lässt sich ohne dasselbe eine genügende 
Erklärung dafür nicht geben, dass uns auch die Erscheinung konkreter, 
individueller Ideen einen vollkommenen ästhetischen Genuss zu bereiten 
vermag?) Dass diese Vorstellungen schon vorausgesetzt 
sein müssen, ist das eigentlich Entscheidende, und dies gilt 
I) Dies ist auch E. v. Hartmann, soviel ich sehen kann, nicht gelungen. (Vergl. 
dessen kürzlich erschienenen "Zweiten systematischen Teil der Ästhetik" S. 176 ff. 
„Die Gattungsidee" und "Das konkret Schöne oder das mikrokosmisch Individuelle") 
Denn dass eine Erscheinung dadurch noch nicht schön ist, dass sie nur Schein ist, 
liegt auf der Hand. Mit Rücksicht auf Anm. 1) auf S. 8 oben muss ich hier nach- 
tragen, dass v. Hartmann unter "konkreter Idee" nicht die platonische in konkreter 
Erscheinung, sondern das Individuelle versteht, jedoch mit der Massgabe, dass er 
gleich seinen philosophischen Vorläufern die Thatsache der Nachahmung in Abrede 
stellt und das Kunstprinzip des Realismus verwirft.
        

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