Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377405
SCHLÜSS- 
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die nachahmenden Künste auch, indem sie Schönes nach 
kosmischen Gesetzen hervorbringen. 
Zwischen derjenigen Nachahmung, wie sie die Malerei und das 
Drama übt, welche man die objektive nennen kann, und zwischen der 
subjektiven der Musik haben wir dabei nicht unterschieden. Allein es 
kommt doch nur darauf an, dass die allgemeinsten Verschiedenheiten 
der Künste kurz bezeichnet sind; denn ein System hat keinen wei- 
teren praktischen Wert, als denjenigen einer vorläufigen Andeutung. 
Das von uns gewählte genügt dem Wissenden, weil er sich der etwa 
darin bestehenden Mängel und Ausnahmen wohl bewusst ist, und es 
genügt dem Unwissenden, weil es den für die Beurteilung des Wesens 
der Künste wichtigsten, natürlichsten Gesichtspunkt, denjenigen der 
Nachahmung, an die Spitze stellt. Es ist nun aber auch möglich, 
unter "nachahmenden" Künsten überhaupt alle diejenigen zu ver- 
stehen, welche ausschliesslich Schein hervorbringen, im Gegen- 
satz zu denjenigen, deren Werke in einer Beziehung der wirk- 
lichen Welt angehören. Dass man dies thut, ist der eigentliche 
Grund, warum man nicht von vornherein das Bedürfnis hat, zwischen 
der Nachahmung objektiver, äusserer und subjektiver, innerer Erschei- 
nungen zu unterscheiden. Diese Einteilung deckt sich aber im Schema 
vollständig mit derjenigen in "freie" und "unfreie" oder ndienende" 
Künste. 
Die Einteilung in "freie" und "unfreie" Künste ist an sich 
gleichberechtigt mit jener. In derselben wird die Musik auf die Seite 
der nachahmenden bildenden und redenden Künste gestellt, während die 
Architektur und die Redekunst zusammen als unfreie Künste bezeichnet 
werden. Aber es ist gleichfalls mit Mängeln behaftet, welche mir für den 
allgemeinen Gebrauch misslicher erscheinen, als diejenigen des andern. 
Der Umstand nämlich, dass die Werke der Bau- und Redekunst that- 
sächlich einen Dienst zu thun pflegen, macht sie als Kunstwerke nicht 
unfrei; denn ästhetisch sind ihre Zwecke blosse Voraussetzung. Der 
Bildhauer erschafft die menschliche Gestalt ebenfalls aus Zweckmässig- 
keitf) Eine unfreie Kunst könnte man ferner auch die Bildnismalerei 
nennen, weil sie im Wesentlichen ebenso an eine gegebene Vorstellung 
gebunden ist, wie die Architektur; die Bezeichnung derartig gebunde- 
ner Künste als freie ist deshalb verfänglich. Jedenfalls verleitet die 
Einteilung zu einer Verkennung des rein ästhetischen Verhältnisses 
der Architektur und begünstigt eine ungerechtfertigte Unterschätzung 
0b en 
Anm.
        

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