Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377368
DIE 
REDEKUNST. 
l. es IE Werke der Redekunst haben mit denjenigen der Archi- 
y tektur die Eigenschaft gemein, dass sie einen praktischen 
Dienst leisten und dass ihre Zweckmässigkeit für denselben 
5 ihre Schönheit bestimmt. Es wäre aber falsch, wenn man 
deshalb der Beredsamkeit die Eigenschaft als Kunst absprechen wollte, 
weil sie so augenscheinlich nach Zweckmässigkeit arbeitet; denn ihre 
Zwecke sind eben ästhetisch eine blosse Voraussetzung, während das 
Wohlgefallen an ihnen darum nicht interessiert sein muss oder darf. 
Auch bei der Rede bildet der jeweilige äussere Zweck die kon- 
krete Idee. Sie ist ferner nach dem Urteil hervorragender Theoretiker 
der Beredsamkeit ein Organismus!) jedoch wird man hier nicht in 
demselben Sinn von innerer Zweckmassigkeit sprechen können, wie 
bei den mechanisch funktionierenden Bestandteilen der Artefakte; aber 
die logisch klare Sonderung und richtige Anordnung ihrer Bestandteile 
ist die allen Reden gemeinsame und für alle gleiche Bedingung ihrer 
Schönheit. Hinreissender Schwung und Reichtum der Phantasie wird 
durch solche Ordnung nicht erbracht, sondern ist derselben nur unter- 
worfen; dagegen liegt alles Schöne, was dadurch erzeugt werden 
kann, im Stoff der Rede selbst und in den Beziehungen, welche der- 
selbe einzugehen fähig ist, sodass die Beherrschung des Stoffes und 
das Gefühl für die zweckmässige Auswahl seiner Beziehungen die 
hauptsächlichste Voraussetzung der künstlerischen Rede ist. Das le- 
bendige Gefühl wird durch die Kenntnis dieses Verhältnisses praktisch 
gewiss nie ganz ersetzt, aber doch jedenfalls unterstützt werden. Des- 
I) Vergl. Heinrich B a. s s e rm a nn, 
Stuttgart 1885, S. 113. 
„Handbuch 
der 
geistlichen 
Beredsamkeit",
        

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