Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377261
VERHÄLTNIS 
DER 
GESCHICHTLICHEN 
BAUSTILE 
ZUR 
IDEE. 
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beiden Formen kombinierten Bogens bildet auch die Umrisslinie der 
dem Stil gleichfalls charakteristischen, durch ihre untere Einzie- 
hung zweckwidrigen Zwiebeldächer. Als Schmuck der Pendentifs der 
Kuppeln verwendete man eine Mehrzahl kleiner Nachahmungen der 
konstruktiven Gestalt derselben, woraus ein weiterer eigentümlicher 
Bestandteil des arabischen F ormenschatzes, das Stalaktitengewölbe, 
hervorging. Vermöge der wesentlich dekorativen Richtung des Stils 
lassen Sich die Elemente desselben dem klassischen Bauprinzip mit 
Leichtigkeit unterordnen. I) 
Barock 
Rococo. 
und 
"Michelangelo und Palladio, die Namen dieser beiden glän- 
zenden Erscheinungen müssen an die Spitze der Baugeschichte der 
letzten Renaissancezeit gestellt werden. Das von ihnen ausstrahlende 
Licht erhellt die vielfach verschlungenen Wege der Entwickelung in 
den folgenden Jahrhunderten.  Palladio ist der Meister innerer, auf 
das Studium der Antike basierender Gesetzmässigkeit; Michelangelo 
ist der Titane des individuellen Wollens.  Man nennt die auf das, 
Studium der Antike basierte Kunst des endenden I8. Jahrhunderts den 
Stil des Klassizismus, und seine weitere, durch griechische Formen 
geklärte Entwickelung den hellenisierenden Stil. Der erstere Name 
kann nach rückwärts unbedenklich um IOO jahre ausgedehnt werden, 
und da. innerhalb dieser sich das Streben der mit echten griechischen 
Bauten noch nicht vertrauten Architekten zunächst nach Palladio und 
dessen Aufmessungen altrömischer Denkmale, später direkt nach römi- 
schen Bauwerken richtete, den palladianischen und späterhin im Gegen- 
satz zum hellenisierenden den latinisierenden Stil bezeichnenf") 
Nach dieser Ausführung des berufensten Kenners der späteren 
Schicksale der Renaissancebaukunst bildet die Richtung des Klassi- 
zismus für uns keinen besonderen Gegenstand der Untersuchung. 
Denn ihre Eigentümlichkeiten gegenüber dem idealen Stil gingen 
lediglich hervor aus einem einseitigen Verhalten und aus irrigen Auf- 
fassungen der beim Mangel lebendigen Verständnisses erstarrenden 
Regel. Die schliessliche Nüchternheit und Öde findet ihre Erklärung 
darin, dass sich nach der Übertreibung der F ormenreize im Rococostil 
1) Vergl. Lübkß a. a. 0. S. 289 E. 
Islam" S. 7 ff. 
2) Cornelius Gurlitt, "Geschichte 
S. 1 H. 
Alt, System der Künste. 
Darm-Franz Pascha a. a. O. "Baukunst des 
des Barockstiles in Italien," Stuttgart 1887, 
I6
        

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