Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374980
B. DIE AUS DER THATSACHE DER NACHAHMUNG FOLGENDEN KUNSTPRINZIPIEN. 
dass ihr zufolge, wenn überhaupt kein Kunstwerk vorhanden wäre, 
die Annehmlichkeit eines Spielraumes der subjektiven Phantasie auf 
das höchste Mass gesteigert würde. Trotz dieser Qualität hat die 
Forderung sich durch die ganze moderne Ästhetik, wohl ebenfalls auf 
Grund der für dieselbe vorwiegenden Bedeutung der Dichtkunst, hin- 
durch gerettet. Schopenhauer gründete auf sie seine Verwerfung der 
Wachsfigurß) Hartmann hat dagegen (Lazarus entgegentretend) an- 
erkannt, dass sie eine grundlose sei. Sie ist denn auch in Wahrheit 
durchaus unkünstlerisch; sie erinnert an die Kinder, welche zwar den 
ihnen zugeworfenen Ball fangen wollen, aber aus Zaghaftigkeit es doch 
unterlassen, zuzugreifen; und-ein solcher Irrealismus steht im Wider- 
spruch mit dem Wesen des Genies selber. 
Fragen wir, welches eigentlich der in den Kunstwerken nach- 
geahmte Gegenstand sei, so lautet, wie schon erwähnt, die Antwort: 
wirkliche oder mögliche Erscheinungen der wirklichen Welt. Wenn 
es sich aber so verhält, so kann eine Verdoppelung des Unvoll- 
kommenen und Misslungenen der wirklichen Welt durch die Kunst 
keinen Sinn haben und ebensowenig die monumentale Verewigung 
unwürdiger Erscheinungen. Die Kunst hat vielmehr blos dann einen 
begreiflichen Zweck, wenn sie uns Erscheinungen vorstellt, welche uns 
die Natur in gleicher Vollkommenheit selten vor Augen bringt. Daraus 
folgt das Kunstprinzip des Idealismus. Anders, als hiermit geschehen, 
lässt es sich logisch nicht begründen. Deshalb entzieht man dem 
Idealismus in der Kunst seine logische Begründung, wenn man ihre 
nachahmende Beschaffenheit leugnet: wollte man sagen, die Kunst 
könne durchaus neue Dinge erschaffen, so liesse sich allein darin und 
abgesehen von deren Schönheit oder Hässlichkeit ein Zweck für sie 
erblicken. 2) 
I) Welt als Wille und Vorstellung 1879 II. S. 465. Er verdreht dadurch den 
Sinn des in Rede stehenden Satzes. Bei Lessing bezog er sich auf den Schwer- 
punkt der Darstellung eines Affektes, Schopenhauer bezieht ihn auf die äussere Er- 
SCheinung. Allein monochrome Statuen, als solche, lassen der Phantasie gar keinen 
Spielraum übrig: im Gebiete der reinen Form geben sie alles, was in dieser gegeben 
Werden kann. Die Abstraktion von der Farbe gewährt nicht das freie Spiel der 
Phantasie, welches Lessing gemeint hatte, denn dann wäre ja die Theorie des letz- 
teren, welcher den Laokoon als unfarbig betrachtete, schon durch diesen Umstand 
überflüssig geworden.  
2) Rumohr verwarf (S. 145 ff. a. a. O.) die Meinung, dass die Kunst schöne 
Gegenstände darzustellen habe. Er setzte an Stelle dieser Forderung die andere, 
daSs der Künstler schön darstellen solle. Mit Unrecht; denn damit ist zwar die 
Einsicht gewonnen, dass vieles, was an und für sich betrachtet unschön ist und 
bleibt, durch die Darstellung in einem Bilde in schöner Erscheinung auftreten kann.
        

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