Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377209
VERHÄLTNIS 
DER 
GESCHICHTLICHEN 
BAUSTILE 
ZUR 
IDEE. 
335 
waren, wie ihre Auftraggeber das Römerreich fortzusetzen meinten. 
Ihr eigentümliches, kraftvoll barbarisches Wesen sprach sich aus in 
der Vorliebe für runde und gedrungene Formen; dies war ihr eigent- 
licher subjektiver Stil, dessen Schwerfälligkeit sich in den reiferen 
Leistungen oft zu merkwürdiger Eleganz erhob. Zwei Kapitelltypen 
sind die Träger des reichsten und verschiedensten dekorativen Schmuckes: 
das Würfelkapitell, eine Zusammenziehung der im dorischen Kapitell 
differenzierten Glieder in roher Gestalt, I) und das "korinthisierende" 
Kapitell. Die Säulenbasis ist gewöhnlich die attische. Unter den 
Verzierungen ist das Rankenornament der antiken Akanthusranke, ein 
Bandornament der antiken Palmettenreihe verwandt. Neu waren jene 
rein geometrischen, an Heroldsstücke erinnernden Verzierungen, wie 
die Schachbrett, Schuppen- und Zickzackornamente, welche als Friese, 
an Kämpfern u. s. w. auftreten, häufig auch an Archivolten, deren 
Kunstform sie zerstören. 
Die Intersecanz, eine rhythmische Abwechselung verschiedener 
Stützen, entwickelte sich als die natürliche Folge des Verhältnisses 
der Seitenschiffgewölbe zu den doppelt so langen des Mittelschiffs, 
kommt aber vielfach auch ohne diese Motivierung vor. Von der durch- 
brochenen Mauer bleiben quadratische Stücke, Pfeiler, stehen, zwischen 
welche die raumöffnenden Säulen eingeschoben werden. Bei der 
Selbständigkeit der letzteren war deren verschiedene Ornamentierung 
gerechtfertigt. 
Das überaus schlanke Verhältnis der Mittelschiffe bedingte eine 
entsprechende Schlankheit der die Gewölbgurte tragenden Säulen; 
dieselben erhielten dadurch den Charakter von "Diensten", d. h. 
von an die sichtbar bleibende Werkform gefesselten Stützen, welche 
ohne dieselbe dem ästhetischen Gefühl nicht genügen, weil ihre relative 
Festigkeit offenbar nur dem Druck der Transversalgurte, nicht aber 
demjenigen des ganzen Gewölbes gewachsen ist. Damit war das 
klassische Bauprinzip immer noch nicht aufgehoben; ebenso nicht durch 
die reichgegliederte und zweckentsprechende Bildung der Portale. 
Erst der gotische Baustil trat zu demselben in konträren Gegensatz. 
Die Triebfeder der Entwickelung des gotischen Baustils war die 
Absicht auf grössere Leichtigkeit und Luftigkeit, auf Auflösung der 
starren Mauermassen des romanischen Doms. Bezeichnenderweise wurde 
der neue Stil von den Franzosen erfunden, deren stärkste Seite auch 
1) Vergl. Franz 
231. 
Reber, 
"Kunstgeschichte 
des 
luittelalters," 
Leiplig 
1866
        

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