Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377189
VERHÄLTNIS 
DER 
GESCHICHTLICHEN 
BAUSTI LE 
ZUR 
IDEE. 
233 
tionen, kaum mehr geschaffen, als den Baluster und die Herme. Da- 
gegen wurde erst von ihr die individuelle Gestaltung zur höchsten 
Freiheit entwickelt. Wenn bei den Griechen der Göttertempel, bei 
den Römern das Staatsgebäude die eigentliche Leistung der Archi- 
tektur bezeichnet, so ist der Renaissance das Privathaus eigentümlich. 
Ein heiteres Zusammenleben der Allgemeinheit sprach sie an dem- 
selben aus durch ein reiches System von Öffnungen nach aussen 
(Fenstern), und durch die Übernahme des Balkons aus der arabischen 
Baukunst. 
Die individuelle Charakteristik wurde Wesentlich gesteigert durch 
die volle Ausbildung der Rustika; das Motiv, ein ganzes Untergeschoss 
als Gebäudesockel hinzustellen, hatte jedoch schon die griechische 
Antike gekannt (Mausoleum in Halikarnass). Wenn gegen das Ende 
der Epoche Michelangelo soweit ging, dass er aufeinanderfolgende 
Räume durch die Lösung vorher dargestellter Unvollkommenheiten 
in eine Art von dramatischer Entwickelung versetzte, I) so überschritt 
er damit die Grenze des Zulässigen. Denn in der Architektur als 
räumlicher Kunst muss der Konflikt unschön verbleiben, wenn seine 
Lösung nicht, wie bei der Aufeinanderfolge der Geschosse einer Fassade, 
zugleich mit ihm angeschaut werden kann. 
Romzmisclz 
und 
Goizlvck  
Unstreitig ist der romanische Baustil zu einer abschliessenden 
Gestaltung seines eigentümlichen Wesens gelangt. Gleichwohl kann 
man ihn als eine Übergangsstufe von der klassischen zur gotischen 
Architektur auffassen, wie ja auch zwischen dieser und der romanischen 
ein "Übergangsstil" verzeichnet werden muss. Neu und eigentümlich 
erscheint der romanische Stil vor allem in den von ihm auf der 
Grundlage der altchristlichen Basilika geschaffenen Raumkörpern. 
Formell beliebige Kompositionen oder vom äusseren Zweck bedingte 
Anlagen, wie sie Aufbau und Grundriss des romanischen Doms dar- 
stellen, sind aber nicht an sich, sondern nur durch ihre immer wieder- 
kehrende Anwendung ein subjektiver Stil. Indessen gelangte hier ein 
Raumgebilde zur ausgiebigen Verwendung, welches sich in der idealen 
I) Vergl. Heinrich XVölfflin, "Renaissance und Barock", München 1888, 
5_ 40, über das Verhältnis des Treppenhauses der Laurenziana. zum Saal. Ob gerade 
in der Absicht auf diese Wirkung die sonderbare Anlage des Treppenhauses er- 
sonnen ist, steht jedoch nicht fest. Auch der Saal enthält manches Launenhafte. 
Vergl. Cornelius Gurlitt, "Gesch. des Barockstils in Italien," Stuttg. 1887, S. 186.
        

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