Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377173
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DIE 
ARCHITEKTUR. 
derjenigen seines inneren Zusammenhangs. Die Architektur ist aber 
in der Hand der Römer fähig geworden, konkrete Ideen jeder Art 
auszusprechen. Wenn dieselben bei der Richtung auf ihre besondere 
Aufgabe die Feinheit der Einzelformen vernachlässigten, so wiegt dieser 
Tadel gering und ist auch wohl nur da berechtigt, wo nicht eben die 
grosse räumliche Gestalt den hauptsächlichen Gegenstand der Betrach- 
tung bilden muss. Was an den griechischen Ordnungen konventionell 
war, hatte natürlich keinen Anspruch auf eine schonende Behandlung, 
zumal wenn es sich mit dem künstlerischen Zweck nicht in Einklang 
bringen liess. "Solange die verschiedenen Weisen noch typische Be- 
deutung hatten, indem sie aus den sich historisch gestaltenden Rich- 
tungsverschiedenheiten des hellenischen Seins naturgemäss erwuchsen 
und daher Erkennungs- und Unterscheidungszeichen für letztere waren, 
konnte die Baukunst aus ihnen noch nicht den Ausdruck des Charak- 
teristischen und Individuellen entnehmen. Auch nur derartiges er- 
reichen zu wollen, mochte der Baukunst noch gar nicht beigekommen 
sein     Der Standpunkt objektiver Beherrschung der drei Ord- 
nungen, ihrer symbolischen Verwertung bei bestimmter hervortretendem 
Streben nach Charakteristik und individuellem Ausdruck konnte erst 
nach dem Erlöschen ihrer historischen und subjektiv-typischen Geltung 
gewonnen werden" (Semper). So verwendeten die Römer die ver- 
schiedenen Ordnungen in mehrgeschossigen Gebäuden zugleich mit 
richtiger Erwägung der grösseren Leichtigkeit oder Schwere ihrer 
Formen: zu oberst die korinthische, zu unterst die dorische oder 
toskanische. Wenn bereits die Griechen an den athenischen Propy- 
läen die dorische und jonische Weise kombiniert hatten, so hatte dies 
nicht denselben Sinn. 
Im einzelnen haben die Römer immerhin einiges Neue beige- 
bracht; so die toskanische Säule. Die Konsolenreihe als Gesimsglied 
war eine Bereicherung des Gebälks, welche durch den vergrösserten 
Massstab der Werke gefordert worden sein mag. Das Komposita- 
kapitell verdient schwerlich Billigung; dagegen die freie ornamentale 
Behandlung des korinthischen, in welcher die Renaissance freilich 
Besseres leistete. Daneben erscheinen eine Reihe von neuen oder 
umgebildeten Verzierungsmotiven. Die Polychromie wurde zur monu- 
mentalen Polychromie erhoben. 
Wieviel von dem Verdienst, welches wir. hiermit den Römern zu- 
geschrieben haben, der vorausgegangenen Epoche des Hcllcnismus 
angehört, wissen wir nicht. Mancherlei spricht dafür, dass es ihnen in 
der Hauptsache bleiben wird. Im Prinzipe hat die Renaissance nichts 
Neues erzeugt. An Einzelformen hat sie, abgesehen von Kombina-
        

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