Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377147
VERHÄLTNIS 
DER 
GESCHICHTLICHEN 
BAUS TILE 
ZUR 
IDEE. 
229 
Dem heiteren, in 
nügte die gefundene 
sich abgeschlossenen Wesen der Griechen ge- 
organische Gestalt des Tempelhauses. Eine 
ganz abzusehen, weil es eben darauf nicht mehr ankam. Erst später, sei es aus 
einem rein ästhetischen oder aus einem praktischen Grunde, schob man den Fries 
ein und liess bei dieser Gelegenheit den unteren Rand der Verschalung als Stirn- 
band und oberen Abschluss des Architravs, und die darunter hervorragenden Kanten 
der Sparrenköpfe mit ihren Tropfen als dem Geison präludierende Verzierung stehen 
(Regula). Dabei ist die Herkunft der Tropfen freilich nicht erklärt; ästhetisch be- 
deuten sie lediglich ein Sinnbild des Hängens, des frei GetragenwerdcnS- Sie fehlen 
am Tempel in Assos. Demnach liesse sich annehmen, dass sie niemals eine tech- 
nische Funktion gehabt haben. 
Was den Triglyphenfries betrifft, so vertreten Bötticher und Viollet-le-Duc die 
Ansicht, dass die Triglyphen ursprünglich vertikale Stützen des Kranzgesirnses, die 
Metopen aber leer waren. Hinter den ersteren hätten früher die Balken der Pteron- 
decke gelegen. Semper und Julius Braun sind der Meinung, dass die Triglyphen 
aus den überhängenden Lappen einer schweren Schmuckdecke entstanden seien, 
welche am Architrav durch ein gemeinsames Band festgehalten wurden, über dessen 
unteren Rand die Quasten hervorschauten. Diese Erklärung dürfte nicht viele 
Freunde mehr haben. Neuerdings verlicht A. Göller die Behauptung des Vitruv, dass 
die Triglyphen aus den Köpfen der Deckenbalken selbst hervorgegangen seien. Die 
Balken seien aus drei Dielen konstruiert gewesen, deren Hirnholzflächen man durch 
ein Brettchen geschützt habe; dasselbe sei mit Schlitzen versehen worden, um der 
Luft Zutritt zu gestatten. Göller giebt aber zu, dass sich die dorischen Bauglieder 
unbestrittenermassen nicht in ungezwungener Weise als H0lzkonstruktionsformen 
deuten lassen. Vielleicht ist es deshalb am besten, die ästhetische Erklärung der 
Triglyphen als einfachste monumentale Einteilung des Frieses auch zu ihrer histo- 
rischen zu rnachen. I. Du1'm vertritt diese Ansicht, stützt sie durch den Hinweis 
auf häufig vorkommende Vasenverzierungen und bringt sie (a. a. O. „Etrusker" S. 56 
und "Griechen" S. 83 f.) mit einer bekannten Verzierung der ägyptischen Hohlkehle 
in Verbindung, welche sowohl durch ihre Anordnung und Gestalt, als durch ihre 
Farbe den Zusammenhang mit der Triglyphe wahrscheinlich macht. Gleichzeitig hat 
Hans Auer dieselbe Hypothese in der Lützow'schen Zeitschrift (Jahrg. 1880, S. 279 ff.) 
vorgetragen und ausführlich entwickelt. Dieselbe gewinnt grosse Wahrscheinlichkeit, 
wenn man erwägt, dass die Griechen doch wohl den Steinbalkenbau selbst, seine 
konstruktive Gestalt, von den Ägyptern übernommen haben, da ja ihre asiatischen 
Vorläufer sich desselben nur ausnahmsweise bedienten. 
Auch in der jonischen Ordnung fehlte ursprünglich der Fries. Als man ihn, 
ziemlich spät, zwischen dem Kranzgesims und Architrav unter dem Zahnschnitt ein- 
schob, fehlte es an einer Veranlassung, um etwa die rein architektonische Triglyphen- 
einteilung des dorischen Frieses zu übernehmen. Der leichtere Charakter des ganzen 
Stils drängte zur Verwendung freien bildlichen Schmuckes, welcher an dem drei- 
teiligen Architrav keinen Platz hatte, während im älteren dorischen Stil, wie der 
Tempel in Assos beweist, der Architrav reich skulpiert war. So wurde der jonische 
Fries zurn eigentlichen Zophoros. Uber die Herkunft des jonischen Gebälks von 
der HolzkonstruktiOIl ist man einig; dass die Abplattungen des Architravs auf eine 
Metallverkleidung zurückzuführen sind, deren Platten sich mit Rücksicht auf den
        

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