Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377101
VERHÄLTNIS 
DER 
GES CHICH TLICHEN 
BAUSTILE 
ZUR 
IDEE. 
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Tempel zuElephantine, ist abzusehen. Sodann aber stand die Form 
der Pflanzensäule rein äusserlich betrachtet der echten abstrakten 
Kunstform der Säule nicht so sehr fern, wenn sie auch in der Idee 
das konträre Gegenteil bedeutet. Man wird die sämtlichen ägyptischen 
Kelchkapitelle mit Fug als „pr0t0kO1'lnthiSCh6" bezeichnen dürfen; zum 
mindesten war in jedem Falle die Gliederung in Schaft, Kapitel! und 
Basis vollzogen, auch die quadratische Deckplatte, der Abakus, ge- 
funden (protodorische Säulen von Beni Hassan, Knospenkapitelle von 
Luksor und Medinet Habu); jedoch ist dieser Teil der ägyptischen 
Säule mitunter als überstehender Teil der nicht ganz verhüllten Werk- 
form (Säulen der Hypostyle von Karnak und im Ramesseum, Palmen- 
kapitell von Soleb) oder als Architravbestandteil aufzufassen. Die 
konstruktiven und die künstlerischen Elemente des baulichen Orga- 
nismus standen sich jedoch ganz unabhängig von einander gegenüber; 
es fehlte "der zündende Prometheusfunke," wie man treffender hier, 
als mit Bezug auf die asiatischen Vorläufer der griechischen Architektur 
sagen kann. 
Westaszkiz  
Wir sind über die babylonische, assyrische, chaldäische Baukunst 
nicht in gleichem Masse unterrichtet, wie über die ägyptische. Doch 
ist uns wenigstens soviel bekannt geworden, dass wir mit Semper an- 
nehmen dürfen, ein Kunstprinzip der Bekleidung des Strukturkerns 
mit anderen bildnerisch gestalteten Materialien sei ihr gemeinsames 
Kennzeichen. Ein folgerichtig durchgeführtes Prinzip der Umhüllung 
des Bauwerks mit der nachahmenden Darstellung eines demselben in. 
der Hauptsache verwandten Artefakts, wie in der ägyptischen Bau- 
kunst, giebt es hier jedoch nicht. Die Inkrustation bildete im grossen 
Ganzen eine blosse Zierde ohne jeden Zusammenhang mit dem Wesen 
des Gebäudes, wenngleich sie in der Folge mitunter beim Wegfallcn 
des Strukturkerns technische Funktionen übernommen haben mag. 
Daraus kann man vielleicht auch einige Kunstformen der Antike, wie 
beispielsweise die Abplattungen des jonischen Architravs, historisch her- 
leiten. Aber deshalb lässt sich doch nicht der griechische Tempel in 
seiner gesamten Formensprache als Versteinerung einer metallenen 
Hohlkörperkonstruktion erklären, noch auch wäre damit im eigenen 
Sinne des Urhebers dieser Ansicht etwas gewonnen, wie wir hinlänglich 
dargethan haben; die funktionelle Form kann natürlich immer nur der 
OberHäche der Gebäudeteile angehören, darum sind dieselben aber 
doch nicht als Hohlkörper zu verstehen. Neben den Formen der 
Alt, System der Künste. 15
        

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