Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1377023
DIE 
VERZ IERUN G. 
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solcher verzierenden Bilder massgebend sein, welche zwar symboli- 
sierende Eigenschaft haben, aber nicht auf die Thätigkeit der struktiven 
Glieder anspielen. Meereswellen oder Triglyphen sind rhythmische 
Ornamente (jene ein stilisiertes Bild, diese eine blosse Raumeinteilung) 
ohne symbolischen. Gehalt für den äusseren Zweck. Delphine und 
Muscheln aber haben einen solchen und werden in einem Bade, ge- 
fiügelte Räder werden in einem Bahnhof, der Kaduceus wird in einer 
Börsenhalle angebracht sein. je enger der Zusammenhang zwischen 
dem Symbol und dem Gegenstand ist, auf welchen es anspielt, desto 
weniger lässt es sich ohne Begründung im Zweck verwenden. Del- 
phine und Muscheln können allenfalls auch bloss ornamental auftreten, 
zufolge einer althergebrachten Anwendung als indifferente Verzierung. 
Räder und Blitzstrahlen oder Kaduceen aber können nicht wohl in 
einem Bade verwendet werden. Umgekehrt können aber doch auch 
Verzierungen, welche symbolische Auffassung zulassen, ohne eine 
solche Bedeutung rein formell-ornamental auftreten. Die primitivsten 
Formen, welche aus technischen Konstruktionen hervorgehen, bilden 
als Ausdruck der Funktion die ursprünglichsten Symbole; aber es ist 
desshalb nicht gesagt, dass sie keine andere Auslegung zulassen. 
Fortlaufende Dreiecke z. B. bilden die ornamentale Erscheinung der 
Naht, die Rosette ist ein ausgebildeter Nietkopf; dennoch können beide 
bloss rhythmisch und ohne jeden symbolischen Gehalt verwendet 
werden, weil jene Anspielungen in diesen Formen nicht notwendig 
enthalten sind. 
Tafelbilder kann man prinzipiell aufhängen, wo man will, denn 
sie bestehen ganz an und für sich. Es wäre eine Absurdität, wenn 
man in einem Speisezimmer bloss Stillleben mit Nahrungsgegenständen 
sehen wollte. Dennoch kann auch hier die symbolische Beziehung in 
Betracht kommen, wenn nämlich das Bild einen sehr bestimmt 
sprechenden Gegenstand hat und der äussere Zweck des kosmischen 
Gebildes gleichfalls ein sehr konkreter ist, welcher jene Vorstellung 
abweist. Letzteres ist im höchsten Masse der Fall beim Gotteshaus, 
in welchem überhaupt jede profane Darstellung unpassend wäre, be- 
sonders aber eine direkt unheilige, wie Schlachtenbilder und dergl. 
Hierin und im Ernst der ganzen F ormbehandlung hat sich das Wesen 
des Gotteshauses zu zeigen, und nicht in einer Veränderung der 
Kunstformen oder in der Verwendung eines speziellen Baustiles, wie 
z_ ]3_ der Gotik, Auch ist es ein Unding, wenn man nach speziell 
protestantischen oder katholischen Baustilen sucht. Der praktische 
Zweck wird die Form der protestantischen Kirche insofern beeinflussen, 
als die Kanzelrede dort den Hauptbestandteil der Liturgie bildet; aber
        

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