Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1376981
DIE 
VERZIERUNG. 
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sonderheit immer nur unter dem Gesichtspunkt der Realität einer durch 
natürliche Erscheinungen gegebenen Vorstellung schön gefunden. Da. 
gegen befriedigen uns unter den Artefakten derselben Gattung eine 
grosse Anzahl als konkrete Ideen, ohne dass dabei Nachahmung irgend 
beteiligt wäre. Denn hier sind wir selbst der Schöpfer und tragen 
das Bewusstsein des konkreten Zweckes in uns, don: aber nichtf) 
DIE 
VERZIERUN G. 
Die Verzierung geht hervor aus einem den Menschen ganz all- 
gemein eigentümlichen Trieb, sowohl sich selbst als die mit ihnen in 
Verbindung tretenden , von ihnen gebrauchten Gegenstände zu 
schmücken. Der Wilde, welcher von einer Bekleidung weder zum 
Schutze gegen das Wetter noch zur Befriedigung eines Schamgefühles 
Gebrauch macht, tättowiert sich doch. Nächstes Objekt des Schmuckes 
durch Verzierung sind die Waffen, die Gefässe und Gewebe. S0 wird 
man es denn als den natürlichen Gang der Dinge ansehen dürfen, 
dass an der Stelle der kosmischen bildenden Kunst anfänglich die 
blosse Verzierung von Rohforrnen stand. Die primitivste technische 
Kunst, die Töpferei, mag sehr rasch zu einem Ausdruck des Zweckes 
in der Form gelangt sein; die NVeberei kommt in der Richtung nicht 
in Betracht, denn sie schafft ja nur Flächen. Ganz anders aber ver-' 
hielt sich die Architektur. Entsprechend der Kompliziertheit der von 
ihr zu erschaffenden Organismen rang noch das ganze vorhellenische 
Altertum vergebens nach einem vollkommenen Heraustreten des Orga- 
nisch-Schönen aus der blossen Verzierung. Erst die Griechen bildeten, 
natürlich durchaus auf der gegebenen historischen Grundlage, eine allen 
Anforderungen genügende Formensprache der Architektur aus. 
i) In der Schule der Platoniker efhßb sich nach dem Tode des Meisters Streit 
darüber, 0b es auch Ideen von Gebrauchsgegenständen geben könnte. Das war 
natürlich, weil der Idee göttliches Wesen zugesprochen wurde. Nach De rep. X 
sollte man annehmen, dass jener die Frage-bejahtß Vvenn LÄri5tOte1es(Metaph_ XI, 3) 
berichtet, Plato habe „den Naturwesen" Ideen zugesprochen, so scheint es nicht ge- 
rade nötig: diese Stelle für die Artefakte C contrario auszulegen. Indessen wäre wohl 
keine KOIIIIOVCISC Entstanden, Svfrnn Plato sich bestimmt ausgesprochen hätte. Uns 
heisst hier Idee lediglich eine dem Begriff entsprechende Vorstellung, und die Kontro. 
verse hat dabei ihren Anlass verloren.
        

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