Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
System der Künste
Person:
Alt, Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1374552
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1376800
DAS 
ORGANISCH 
s cnöma 
IM 
VERHÄLTIÄIS 
ZUM 
MATERIAL. 
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Einführung des Zirkels in die Baukunst dieielbe allerdings in eine Art 
von circulus vitiosus gedrängt wirdwvsleil nämlich die ästhetische Idee 
von da an nur auf dem Wege von Kompromissen mit der Konstruk- 
tion erreicht werden kann, und darf füglich annehmen, dass die Griechen 
in dem Gefühl dieser Thatsache jede künstlerische Verwendung des 
Gewölbes, welches sie sehr wohl kannten, von der Hand gewiesen 
habenf) Indessen dürfen wir uns an diesem für die ganze Auffassung 
der Architektur entscheidenden Punkte bei der Ansicht Schopenhauers 
doch nicht beruhigen. Wir müssten auf Grund derselben beinahe alles 
verwerfen, was nach den Griechen noch Erhabenes und Schönes in 
der Baukunst geleistet worden ist und wären auf eine äusserst dürftige 
Raumbildung beschränkt, welche sich mit der Thatsache, dass die 
Architektur ja gerade im Raumschönen die höchsten Wirkungen erzielt, 
nicht vereinbaren lässt. Die angebliche ästhetische Unhaltbarkeit der 
Innenansicht des auf Säulen stehenden Tonnengewölbes ist aber gewiss 
niemals empfunden worden, nämlich unmittelbar und ohne Reflexion 
empfunden worden, und daraus ergiebt sich, dass uns eben auch die- 
jenige Sonderung von Stütze und Last genügt, welche wir. am Ge- 
wölbebogen sehen. Auch hier finden wir eine deutliche Cäsur von 
Stütze und Last, und ästhetisch gilt nur, was erscheint: wir fassen 
die Bogen und Gewölbe als monolith, als einheitlich, auf 
und nicht als die konstruktive, arbeitende Masse von vielen 
kleineren Körpern, aus welchen sie wirklich bestehtß) 
Aber freilich darf dann auf das Schieben der Keile nirgends durch 
Kunstformen angespielt sein, wie es schon in dem Vorzeigen ihrer 
thatsächlichen Gestalt der Fall wäre. jedoch ist dies so wenig im 
gotischen und romanischen Dom wie im römischen Kuppelbau ge- 
schehen; das Pantheon zeigt eine einheitliche Halbkugelß) welche 
durch herausgehobene Kassetten leichter gemacht und verziert ist. 
I) Vergl- SemPer a- a- O- u, S- 246, dessen Erklärung mir weniger einleuchtet. 
z) VergL Semper a" a' O" I, 5' 475: "Das römische ungebrochene, halbkreis- 
förmige Kreuzgewölbe lässt den Eindruck des Seifwärtssghiebens kaum aufkommen, 
weil es vermöge seiner Lakunarienzierde gleichsam als eine nur modifizierte Felder- 
decke auftritt."  
3) Adamy tadelt (a. a. O. "Römer" S. 98) die römische Architektur, weil sie 
eine „rationelle Anwendung des Gewölbeprinzips" noch nicht gekannt, sondern das- 
selbe stets aus Gussmauerwerk, also thatsiichlich rnonolith, hergestellt hätte. Wenn 
dies der Fall wäre, so wäre es ästhetisch völlig gleichgültig, ja eher zu loben. Die 
Technik der mittelalterlichen Baumeister müssten wir aus jenem Grunde allerdings 
höher stellen. Die Kunstform des Pantheongewölbes erklärt Adamy dahin, dass 
durch die Kassettierung aufsteigende Gewölbrippen mit horizontaler X7erspannung 
134"
        

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